Schlagwort-Archive: Verteilung

Über das Ende der Bedarfsorientierten Mindestsicherung und die Gefahren für den Rechtsstaat

Norman Wagner, 10. Jänner 2017

Seit dem Jahreswechsel gibt es sie nicht mehr: die bundesweite Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS). Der Vertrag zwischen Bund und Ländern, die sogenannte Artikel 15a B-VG Vereinbarung, über gemeinsame Mindeststandards konnte nicht verlängert werden. Allen Bemühungen progressiver Kräfte zum Trotz, war eine politische Lösung im Sinne der von Armut Betroffenen nicht möglich. Stattdessen wurden landesspezifische Neuregelungen erlassen, die europa- und verfassungsrechtliche Vorgaben zum Teil offen missachten. Das sollte keinesfalls Schule machen. Weiterlesen

Europaweite Stärkung der Kollektivvertragssysteme gefragt

Thorsten Schulten, Guy Van Gyes und Torsten Müller, 2. Dezember 2016

Lohnpolitik, Kollektivvertragssysteme, EULöhne, EGI, ETUI, lohnpolitischer InterventionismusIn der EU ist derzeit eine Sichtweise auf Löhne und Kollektivvertragssysteme vorherrschend, die diese einseitig als Problem für die Wettbewerbsfähigkeit definiert. Diese Sichtweise führte zu Reformen der „Economic Governance“ bzw. der wirtschaftspolitischen Steuerung in der EU, die als neuer lohnpolitischer Interventionismus verstanden werden kann. In unserem neuen Sammelband analysieren wir die Auswirkungen dieser Politik auf die Arbeitsbeziehungen in den einzelnen Ländern, aber auch auf den Verlauf der wirtschaftlichen und sozialen Krise, die auf diese Art nicht überwunden werden konnte. Demgegenüber steht eine alternative Sichtweise, die auf eine expansivere und solidarischere Lohnpolitik in Europa setzt. Weiterlesen

Messung von Wohlstand und Fortschritt für Österreich

Alexandra Wegscheider-Pichler, 24. November 2016

Statistik Austria, Wohlstand, Indikatoren, Wohlstandsorientierte WirtschaftspolitikIm Rahmen des Projekts „Wie geht’s Österreich?“ (WgÖ?) veröffentlicht Statistik Austria neben dem Bruttoinlandsprodukt ein Set von 30 Schlüsselindikatoren und weiteren Subindikatoren, das die verschiedenen Dimensionen von Wohlstand und Fortschritt für Österreich bestmöglich abbilden soll, sowie einen darauf aufbauenden umfassenden jährlichen Bericht. Aktuell zeigt sich folgendes Bild: Die subjektive Einschätzung der Lebenszufriedenheit bleibt hoch trotz negativer Entwicklungen bei Einkommen und Konsum; Emissionsrückgänge seit 2005 stehen einem hohen Energie- und Ressourcenverbrauch gegenüber. Weiterlesen

Betroffenheit durch Umweltbelastungen

Angela Köppl und Margit Schratzenstaller, 16. November 2016

WIFO_Foto_Margit_Schratzenstaller-Altzinger_highres_3koeppl02_aufbereitetBetroffenheit durch Umweltbelastung und umweltpolitische Maßnahmen sowie Nutzen aus einer intakten Umwelt oder einer Verbesserung der Umweltqualität können in unterschiedlichen Zusammenhängen auftreten.  Insbesondere in der jüngeren Vergangenheit wird der Zusammenhang zwischen Umwelt(politik) und Verteilung zum Teil recht kontrovers diskutiert. Einerseits geht es um die Frage, ob sozial benachteiligte Gruppen stärker von Umweltbelastungen betroffen sind und daraus im Vergleich zu höheren Einkommensklassen schwerwiegendere sozio-ökonomische und gesundheitliche Folgen resultieren. Andererseits geht es um die Identifizierung der Verursacher von Umweltbelastungen und die Zurechnung der damit verbundenen sozialen Kosten sowie um Verteilungseffekte der entsprechenden umweltpolitischen Instrumente. Weiterlesen

Gezielte Umverteilung stärkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage

Stefan Ederer, 13. Oktober 2016

WIFO, Konjunktur, Prognose, WirtschaftspolitikDie österreichische Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren kaum gewachsen. Insbesondere der private Konsum, der mit Abstand den höchsten Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Nachfrage leistet, ist seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 nur wenig gestiegen. Dies ist Teil einer längerfristigen Entwicklung: Schon in den 15 Jahren vor der Krise war das Konsumwachstum relativ schwach. Wichtige Ursachen dafür sind eine schwache Lohnentwicklung und eine immer ungleicher werdende Verteilung der Einkommen auf die Bevölkerung. Wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Stärkung der Konjunktur sollten daher auf eine Erhöhung der Einkommen in den ärmeren Haushalten abzielen. Weiterlesen

Umverteilung durch den Staat in Österreich – Wirkung und Perspektiven

Marc Pointecker und Birgit Wögerbauer, 16. August 2016

Umverteilung, Sozialstaat, SozialministeriumUmverteilung, Sozialstaat, Sozialministerium, ArbeitsmarktIm Auftrag des Sozialministeriums, der Österreichischen Nationalbank und des Bundeskanzleramts hat das WIFO die Umverteilungswirkung der staatlichen Aktivitäten in Österreich untersucht. Sie bietet die empirische Grundlage für wichtige Fragen: Wie wichtig sind Sozialleistungen für einkommensschwächere Haushalte? Wer zahlt wieviel an Steuern und Abgaben? Soll die Belastung auf Arbeit verringert und Vermögen(seinkommen) stärker herangezogen werden? Der folgende Beitrag diskutiert die wichtigsten Erkenntnisse der Umverteilungsstudie des WIFO und leitet Handlungsempfehlungen für die Politik ab. Weiterlesen

Wie sozial ist unsere Marktwirtschaft? Eine transatlantische Perspektive auf eine Politik sozialer Gerechtigkeit

Konstantin Wacker, 12. August 2016

Internationale Ökonomie, Handel, Verteilung, MarktwirtschaftUnser System der „sozialen Marktwirtschaft“ gilt als soziale Alternative zum US-Kapitalismus. Betrachtet man lediglich Markteinkommen, so trügt dieses Bild angesichts ähnlich ungleich verteilter Einkommen gehörig, wie dieser Beitrag zeigt. Erst in einem zweiten Schritt wird durch den Staat hierzulande deutlich mehr zu einkommensschwächeren Haushalten umverteilt. Welche Herausforderungen ergeben sich dadurch und kann man in einer solchen Situation überhaupt von „sozialer Gerechtigkeit“ sprechen? Weiterlesen

Baugruppen-Trend im geförderten Wohnbau in Wien?

Mara Verlič, 28. Juni 2016

mara verlic fotoWie in vielen deutschen Städten ist auch in Wien der Trend zu Baugruppen angekommen. Neben allgemeiner medialer Begeisterung für das Thema, richten sich auch eigene Internetportale an Baugruppeninteressierte mit Informationen und Vermittlungsangeboten. Auch die dezidierte Ausschreibung von Wettbewerben für Baugruppenprojekte in den großen städtischen Neubaugebieten zeigt, die steigende Bedeutung des Themas. In 13 untersuchten Baugruppenprojekten, die in den letzten drei Jahren realisiert wurden oder sich gerade in Realisierung befinden wurden insgesamt ca. 400 Wohneinheiten realisiert. Die überwiegende Mehrheit der Projekte wird als Mietwohnungen mit Mitteln der Wiener Wohnbauförderung von größtenteils gemeinnützigen Bauträgern gebaut.  Weiterlesen

Privatstiftungen: Keine Rede von Gemeinnützigkeit

Franziska Disslbacher, 07. Juni 2016

franziska disslbacherVon der Österreichischen Nationalbank veröffentlichte Daten lassen erstmals einen Einblick in die Verteilung des Vermögens österreichischer Privatstiftungen zu. Auch bei Privatstiftungen gilt: wenige haben extrem viel Vermögen. Seit 1995 hat sich das Vermögen der ca. 3220 Privatstiftungen verzehnfacht, diese verfügten 2014 über 55 Milliarden Euro. Etwa ein Drittel davon ist in Immobilien veranlagt, der Rest überwiegend in Unternehmensbeteiligungen. Weiterlesen

Ungleichgewichte durch schulden- und exportgetriebene Wachstumsmodelle

Rafael Wildauer und Engelbert Stockhammer, 27. Mai 2016

Stockhammer, Verteilung, Beschäftigung, Krise, UngleichgewichteWildauer, Krise, Ungleichgewichte, ExporteDie wirtschaftliche Entwicklung vor der Krise war gekennzeichnet durch stark wachsende Immobilienpreise sowie einer ansteigenden Verschuldung der privaten Haushalte, die wesentlich zum Aufbau gefährlicher Leistungsbilanzungleichgewichte beitrugen. Eine Analyse der Wachstumstreiber zeigt, dass die hohen Wachstumsraten der Länder mit defizitärer Leistungsbilanz (USA, UK, ES, IT) ohne einen massiven Anstieg der privaten Verschuldung und Immobilienpreise nicht möglich gewesen wären. Im Umkehrschluss wären die ohnehin niedrigen Wachstumsraten der Nettoexporteure (DE, AT, NL) noch niedriger ausgefallen. Um Krisen vorzubeugen, ist ein Mehr an internationaler wirtschaftspolitischer Koordination nicht nur in Hinblick auf die internationalen Finanzmärkte erforderlich. Weiterlesen