Open Access – Freier Zugang zu wissenschaftlicher Information: (k)eine Illusion?

Dieser Blog ist sowas wie Open Access: hier werden wissenschaftliche Erkenntnisse öffentlich präsentiert. Im strengeren Sinn ist Open Access der freie Zugang zu und die langfristige Archivierung von wissenschaftlichen Publikationen. Dieses Thema wurde in den vergangenen Monaten auch in Österreich stark diskutiert. Denn Open Access kann nicht nur den Wirtschaftsstandort stärken, sondern auch wesentlich zur Demokratisierung des Zugangs zu Wissen beitragen.

 

Da die Möglichkeiten, damit den Forschungs- und Wissenschaftsstandort weiter zu stärken, auch auf politischer Ebene erkannt wurden, wurden die OANA (Open Access Network Austria)-Empfehlungen  zur Umsetzung von Open Access in Österreich bis 2025 im Parlament diskutiert und im Ministerrat thematisiert. Es besteht die Hoffnung, dass diese Empfehlungen die Grundlage für eine umfassende, von den zuständigen Ministerien erarbeitete, verbindliche Open Access-Strategie bilden werden.

Open Access als Instrument für freies Wissen

Digitale Medien haben eine Breite und Flexibilität im Zugang zu Informationen möglich gemacht, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar war. Open Access will diese Möglichkeiten systematisch nutzen und damit folgende Vorteile schaffen:

  • Freier Zugang zu – meist von der öffentlichen Hand – finanzierten Forschungsergebnissen: die orts- und zeitunabhängige kostenfreie Nutzung unterstützt vor allem finanziell benachteiligte Menschen, Institutionen und Regionen. Damit kann Open Access dazu beitragen, die digitale Kluft in der Wissenschaft zu verringern.
  • Gute Auffindbarkeit über Suchmaschinen und Nachweisdienste: um die nachhaltige Archivierung zu gewährleisten, werden die Dokumente in der Regel durch internationalen Standards entsprechende Metadaten erschlossen.
  • Erhöhte Sichtbarkeit und Zitierhäufigkeit von Dokumenten: die nachhaltige Rezeption erhöht das Renommee von AutorIn und Institution, die Ergebnisse können in weitere Forschungsarbeiten einfließen. Durch diese umfassende Nachvollziehbarkeit wird auch ein Beitrag zur Transparenz in der Wissenschaft geleistet.
  • Verbleib der Verwertungsrechte beim Autor/bei der Autorin: Open Access Publikationen sind selbstverständlich urheberrechtlich genauso geschützt wie „herkömmlich“ publizierte Werke. Sie bieten für den Autor/die Autorin aber den Vorteil, dass sie das ausschließliche Nutzungsrecht nicht an den Verlag abtreten, sondern das Recht auf weitere Verwertung behalten.

Die Open-Initiativen und die Bedeutung von Open Access

Am Beginn stand die Entwicklung von Computerprogrammen mit offenem Quellcode (Open Source), die die freie Nachnutzung und gemeinschaftliche Weiterentwicklung ermöglichten. Daraus hat sich eine Bewegung um die freie Verfügbarkeit von Wissen und Information gebildet. Diese Open-Initiativen stellen die zeitgemäße Reaktion auf die breite Verfügbarkeit von Informationstechnologien und den damit verbundenen Möglichkeiten dar. Sie verstehen sich als Antwort auf konservative Bemühungen, die das Gegenteil wollen: Nämlich die Chancen, die der technische Fortschritt für die breite Bevölkerung bietet, durch Verschärfungen z.B. in rechtlichen Belangen, für die Bildung neuer Monopole zu missbrauchen.

Bei „Open Access“ geht es um den Zugang zu wissenschaftlicher Information, in erster Linie zu Publikationen, aber auch zu Daten etc. In der Budapest Open Access Initiative aus dem Jahr 2002 wurde postuliert, dass diese Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte. Interessierte sollen so die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können  – und zwar ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren. Die einzige Einschränkung sollte darin bestehen, den jeweiligen AutorInnen Kontrolle über ihre Arbeit zu belassen und ihre Arbeit angemessen zu zitieren.

Trotzdem sieht die Realität ein Vierteljahrhundert nach den ersten Open Access-Versuchen und immerhin knapp 15 Jahre nach Budapester Initiative oftmals anders aus. Obwohl ein Großteil der wissenschaftlichen Forschungs- und Publikationstätigkeit von der öffentlichen Hand finanziert wird, steht das dabei gewonnene Wissen oft nur denjenigen zur Verfügung, die sich die Kosten für einen Zeitschriftenartikel oder ein -abonnement leisten können.

Wissenschaft – ein öffentliches Gut

Dabei sollte der freie Zugang zu Information und Wissen zu den Grundpfeilern moderner Wissensgesellschaften gehören. Durch die Umsetzung von Open Access wird nicht nur die Sichtbarkeit von Publikationen innerhalb der eigenen scientific community erhöht, sie ermöglicht auch den Transfer des Wissens in die Gesellschaft. Damit erfolgt eine stärkere Wissensvernetzung, wodurch auch neue Ideen und (Forschungs-)Projekte angeregt werden können.

Zudem sorgt Open Access für eine Demokratisierung des Wissens und den Zugang zu Information unabhängig vom Einkommen. Das schafft sowohl bessere Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe sozial Benachteiligter. Es bringt aber auch verbesserte Bildungschancen, da im Sinne der Open-Initiative u.a. auch freie Lernmaterialien – Open Educational Resources – zu Verfügung gestellt werden.

Um AutorInnen und NutzerInnen Rechtssicherheit zu geben und trotzdem die Möglichkeiten der Nachnutzung nicht einzuschränken, wird die Verwendung einer möglichst großzügigen Open Content-Lizenz, etwa Creative Commons, empfohlen. Creative Commons-Lizenzen sind Standard-Lizenzverträge, mit denen die VerfasserInnen auf einfache Weise abbilden können, welche Nutzungsrechte sie einräumen: Die – aus derzeit sieben möglichen Varianten – gewählte Lizent drückt aus, ob bei der Weiterverwendung die Nennung des/der Urhebers/in verpflichtend ist, ob das Werk auch für kommerzielle Zwecke weiterverwendet, ob es verändert werden und ob es beispielsweise nur unter der gleichen Lizenz wie das Ursprungswerk weitergegeben darf.

Zahlreiche internationale Vereinigungen und forschungsfördernde Institutionen haben bereits vor Jahren Empfehlungen für Open Access ausgesprochen. Einige – darunter etwa auch der FWF  (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) in Österreich – verpflichten ihre FördernehmerInnen, ihre Publikationen im Sinne des Open Access Gedankens im Internet frei zugänglich zu machen und nachhaltig zu archivieren.

Open Access-Finanzierungsmodelle

Da Open Access den entgeltfreien Zugang ermöglicht, muss sichergestellt werden, dass die entstehenden Produktionskosten auf andere Weise getragen werden.

  • Finanzierung der Infrastruktur: die Bereitstellung von Speicherplatz verursacht Betriebs- und Personalkosten, das Einstellen der Publikation ist für die ForscherInnen in der Regel kostenfrei.
  • Finanzierung der Publikation: der Verfasser/die Verfasserin bzw. die Forschungsinstitution zahlt die Publikationsgebühren, die sogenannten article processing charges, an die Herausgeber einer Open-Access-Zeitschrift. So finanzieren sie mit meist überschaubaren finanziellen Aufwand die Möglichkeit, alle Interessierten an ihrem Wissen und ihren Erkenntnissen teilhaben zu lassem, anstatt das Geld für hohe Abo- bzw. Lizenzgebühren von kommerziell orientierten Zeitschriften zu verwenden. Auf diese Weise zahlt immer noch die wissenschaftliche Einrichtung für die Publikation, die Forschungsergebnisse stehen dann aber allen Menschen zur Verfügung und nicht mehr nur finanzkräftigen Einrichtungen.

Denn es soll nicht vergessen werden, dass zwei Entwicklungen wesentliche Gründe für das Aufkommen der Open Access-Bewegung waren: die extremen Preissteigerungen bei wissenschaftlichen Zeitschriften und damit die Finanzierung der hohen Gewinne wissenschaftlicher Verlage aus öffentlichen Mitteln bei gleichzeitiger Mittelverknappung der Forschungsinstitutionen.

Österreich goes Open Access – keine Illusion!

Gängige Vorbehalte gegen Open Access sind mangelnde wissenschaftlichen Qualität und Unfinanzierbarkeit. Bis diese gänzlich ausgeräumt sind, ist es wohl noch ein weiter Weg. Trotzdem sind die Initiativen zur Umstellung des österreichischen wissenschaftlichen Publikationswesens vorhanden, sie werden wahrgenommen, aufgegriffen und erfahren bereits von sehr vielen maßgeblichen Seiten Unterstützung.

Die breite Aufmerksamkeit, die die Ausarbeitung der OANA-Empfehlungen  zur Umsetzung in Österreich erfahren hat, ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Denn sie macht deutlich, dass erkannt wurde, dass die  Vorteile – sowohl für die Forschungsinstitutionen als auch für die einzelnen ForscherInnen und für die interessierte Öffentlichkeit – überwiegen.