Kinderbetreuung: 3 Baustellen – 3 wichtige Schritte

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Sybille Pirklbauer, 21. Juli 2017

Die Bedeutung von Kinderbetreuung als elementare Bildungseinrichtung ist in aller Munde. Zahlreiche Studien zeigen die Bedeutung dieser Einrichtungen für die Chancengerechtigkeit im Bildungsbereich. Auch dass Kinderbetreuung eine unerlässliche Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist, ist weithin anerkannt.

So hoch die Erwartungen an die Elementarbildung sind, die Realität ist eine andere: Fehlende Plätze und schlechte Öffnungszeiten, zu geringe Ausgaben für ein hohes Qualitätsniveau und die mangelnde Anerkennung als Bildungseinrichtung sind zentrale Problembereiche, die dringend einer Bearbeitung bedürfen. Denn in kaum einem anderen Bereich geht es in so zentraler Weise um Zukunftschancen wie hier.

Genug Plätze und gute Öffnungszeiten überall

Das Angebot an vorschulischen Betreuungsplätzen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, wie die Kindertagesheimstatistik zeigt. Dennoch gibt es eine Reihe von markanten Mängeln. So zeigt eine kürzlich durchgeführte Analyse der AK Wien: Allein bei den unter Dreijährigen fehlen 21.000 Plätze, um das Barcelona-Ziel bei den Kleinkindern in allen Bundesländern zu erreichen. Dafür müsste für mindestens ein Drittel der Kinder unter drei Jahren ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen. Außerdem haben derzeit nur drei von zehn Kindern unter sechs Jahren einen Betreuungsplatz, der mit Vollzeitarbeit vereinbar ist.

Dabei ist die Situation in den einzelnen Bundesländern zum Teil dramatisch unterschiedlich. Der Gesamtindex für vorschulische Kinderbetreuung macht einen Vergleich möglich, der sowohl die Zahl der Plätze als auch die Öffnungszeiten mit einberechnet. Wien liegt dabei mit großem Abstand voran und erreicht 63 von 100 möglichen Punkten. Gut ausgebaute Kleinkindbetreuung und umfassende Öffnungszeiten ermöglichen diesen Spitzenwert. Am Ende der Skala liegt Oberösterreich, das nicht einmal halb so viele Punkte schafft (31), weil Plätze fehlen und die Öffnungszeiten schlecht sind.

Unter diesen Bedingungen wäre ein Rechtsanspruch auf einen Platz in der Elementarbildung kaum umzusetzen. Dieser abgesicherte Anspruch von Eltern und Kindern muss aber das Ziel sein – verknüpft mit guter Erreichbarkeit, einer hohen Qualität und Öffnungszeiten, die eine Vollzeiterwerbstätigkeit erlauben.

Zu wenig Geld für Kinderbetreuung

Trotz Verbesserungen in den letzten Jahren ist Österreich bei der Elementarbildung viel zu sparsam. Das zeigt der internationale Vergleich. Mit Ausgaben von 0,65 Prozent der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt – BIP) liegt die Alpenrepublik weit unter dem OECD-Durchschnitt von 0,93 Prozent (siehe auch: Familienpolitik mit Handbremse).

Das ist auch der Grund, warum Österreich im Staatenranking bei der Familienförderung so an Boden verloren hat: Lag Österreich 1980 bei den Ausgaben für Kinderbetreuung noch auf Platz sechs, rasselte es bis 2008 auf Platz 25 hinunter. Danach wurden die Auswirkungen der Bundesmittel sichtbar, womit das kleine Land an der Donau immerhin wieder auf die 13. Stelle kletterte.

Der Abstieg erfolgte, obwohl sich in Österreich die Ausgaben für Kinderbetreuung seit 1980 verdoppelt haben. Der Grund: In anderen Ländern stiegen sie wesentlich stärker. So steigerte Deutschland das Budget dafür um das Vierfache, Frankreich um das Fünffache, Italien und Belgien um das Siebenfache, Irland um das 17-fache und Spanien gar um das 29-fache – in den letzteren beiden Ländern allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Österreich hinkt hier deutlich nach – mit spürbaren Auswirkungen auf Quantität und Qualität des Angebots.

Eine nachhaltige Finanzierung ist aber nicht nur die unabdingbare Voraussetzung für den dringend benötigten Ausbau, sondern auch für die erforderlichen Qualitätsverbesserungen zur Schaffung echter Bildungseinrichtungen.

Mangelnde Anerkennung als Bildungseinrichtung

Im internationalen Trend zeigt sich die Anerkennung von Kinderbetreuung als Bildungseinrichtungen u. a. durch die Zuordnung der Verantwortlichkeit zum Bildungsministerium. In der EU ist das nur noch in Deutschland und Österreich nicht der Fall.

Auch die Arbeitsbedingungen der PädagogInnen sind nicht darauf ausgerichtet. Ausreichende Vorbereitungszeiten sind in der Kinderbetreuung ebenso wenig verankert, wie die Möglichkeit einer laufenden Supervision.

Auch bei der Frage, wie viele Kinder eine Person betreut, liegt Österreich im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen. In Finnland ist eine Fachkraft im Kindergarten für sieben Kinder zuständig, in Dänemark eine Fachkraft für zehn Kinder. In Österreich kümmert sich eine Fachkraft im Durchschnitt um 24 Kinder.

Die PädagogInnen und unterstützenden Kräfte leisten großartige Arbeit unter diesen schwierigen Bedingungen. Ziel muss es sein, die Bedingungen in der Kinderbetreuung so anzuheben, dass sie dem Anspruch einer Bildungseinrichtung gerecht werden. Die Qualitätsstandards müssen dabei selbstverständlich bundessweit gelten – denn jedes Kind in Österreich hat Anspruch auf eine hochqualitative Betreuung und Förderung.

Das rechnet sich auch wirtschaftlich: Mit Investitionen in die Kinderbetreuung werden auch beachtliche Beschäftigungs- und Budgeteffekte generiert.


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