Gender Wealth Gap: Frauen besitzen weniger Vermögen als Männer

Alyssa Schneebaum, Barbara Schuster und Julia Groiß, 10. Oktober 2017

Frauen besitzen in Österreich im Durchschnitt um 23 % weniger Nettovermögen als Männer. Dank erstmals zur Verfügung stehender Daten zum Vermögen von Einzelpersonen konnten wir geschlechtsspezifische Vermögensunterschiede innerhalb der Haushalte analysieren. Die Vermögenslücke – der Gender Wealth Gap – resultiert vor allem aus einer enormen Ungleichverteilung innerhalb der reichsten Haushalte. Diese Unterschiede sind nicht folgenlos: Nachdem Vermögen immer auch Macht bedeutet, sichert der männliche Vermögensvorsprung die privilegierte Position von Männern sowohl innerhalb des Haushalts als auch in der Gesellschaft insgesamt. Eine Umverteilung der Vermögen wäre damit ein wichtiger Beitrag zu einer geschlechtergerechteren Gesellschaft.

Erstmalige Untersuchung des Gender Wealth Gap in Paarhaushalten

Der geschlechtsspezifische Lohnunterschied („Gender Pay Gap“) ist gut erforscht. Vermögensunterschiede zwischen Frauen und Männern („Gender Wealth Gap“) wurden im Gegensatz dazu nicht oft betrachtet. Grund ist sicherlich zu einem Großteil die unzureichende Verfügbarkeit von Individualdaten. Dabei ist gerade Vermögen ein wichtiger Indikator für den Wohlstand eines Haushalts bzw. Individuums.

Mit der zweiten Welle des Household Finance and Consumption Survey (HFCS) stehen nun erstmals für Österreich Vermögensdaten auf der Personenebene zur Verfügung. Auf Basis dieser Daten kann ermittelt werden, wie sich das Vermögen innerhalb von Haushalten zwischen den Geschlechtern verteilt. In unserem neuen Bericht am Forschungsinstitut Economics of Inequality der WU Wien haben wir nun die Aufteilung des Vermögens zwischen den Geschlechtern in österreichischen Haushalten ermittelt.

Vermögensschere vor allem am oberen Ende der Verteilung

Bei Paarhaushalten (in denen die antwortende Person mit einem/einer PartnerIn im Haushalt lebt) treten extreme Vermögensunterschiede vor allem innerhalb der reichsten Haushalte – dem Top 1 % – auf. Diese Gruppe besitzt aber auch einen Gutteil des Gesamtvermögens von Paarhaushalten, ca. 28 %. Wir gehen des Weiteren davon aus, dass die ermittelten Gender Wealth Gaps Untergrenzen darstellen und konservativen Schätzungen entsprechen, da die oberen Vermögen im Datensatz massiv unterschätzt werden. Vom jeweiligen Haushaltsvermögen im Top 1 % besitzen die reichsten Frauen nur ein Viertel, während die reichsten Männer in diesen Haushalten ganze drei Viertel für sich beanspruchen können. Daraus lässt sich auch direkt ableiten, wer die Superreichen sind: nämlich mehrheitlich Männer.

Unternehmensbesitz determiniert das Vermögen der Reichen und festigt die Konzentration von Macht

Geschlechtsspezifische Vermögensdifferenzen zulasten der Frauen sind somit ganz besonders am oberen Rand der Verteilung zu finden. Genau bei diesen Haushalten besteht das Vermögen zu einem großen Teil aus Unternehmenseigentum. Dieser Bestandteil ist allerdings auch einer, aus dem wirtschaftliche und politische Macht generiert werden kann. Es ist daher naheliegend, dass auch die Machtkomponente ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt ist.

Frauen besitzen in österreichischen Paarhaushalten durchschnittlich um 28 % weniger Vermögen als Männer

Die Durchschnittsfrau besitzt weniger Vermögen als der Durchschnittsmann. Wie sieht jedoch die Vermögensverteilung innerhalb unterschiedlicher Haushaltstypen aus? In Paarhaushalten beträgt die durchschnittliche geschlechtsspezifische Vermögenslücke zulasten der Frauen 58.417 Euro. Frauen besitzen demnach um 28 % weniger Vermögen als Männer. In Singlehaushalten ist das Nettovermögen dagegen annähernd gleichverteilt. Bei der größten Gruppe der Singles – den Ledigen – existiert allerdings eine Lücke von durchschnittlich 29 %.

Auch bei Vollzeitbeschäftigung besitzen Frauen um durchschnittlich 43 % weniger Vermögen als Männer

gender wealth gap, Vermögensverteilung

Selbst vollzeitbeschäftigte Frauen besitzen weitaus weniger Vermögen als Männer: Vollzeitbeschäftigung schützt also nicht vor der Vermögenslücke.

Ergebnisse bilden Grundlage für weiterführende Analysen

Vermögen ist in Österreich also ungleich zwischen den Geschlechtern aufgeteilt. Wissenschaftlich ist vor allem eine detailliertere Erforschung wichtig. Fragen wie: Wer sind die Betroffenen? Wie kommt diese Ungleichheit zustande? Wie wirkt sich diese auf Ungleichgewichte zwischen Geschlechtern in anderen Bereichen (etwa beim Einkommen) aus? Was bedeutet der Vermögensunterschied für die Machtverhältnisse innerhalb der Haushalte?

Politisch legen die Ergebnisse nahe, dass im Hinblick auf die ungleiche Verteilung von Vermögen und Macht zwischen den Geschlechtern Handlungsbedarf besteht. Politische Reformen und Änderungen in der Steuergesetzgebung können einen Einfluss auf die Vermögensverteilung haben. Jedenfalls hat die unterschiedliche Besteuerung von Arbeit und Kapital eine wichtige Geschlechterkomponente.


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