Die AK ist kein Autofahrerklub

Rudi Kaske, 10. Oktober 2017

Die automatische Mitgliedschaft bei der Arbeiterkammer? Das ist völlig retro, sagen manche Parteien. Wer gut ist, wie etwa der größte Autofahrerklub im Land, kann sich vor freiwilligen Mitgliedern ohnedies kaum retten. Ja, eh. Nur, dass Menschen keine Motoren sind. Und die Summe von Routenplanern und Kfz-Werkstätten noch keine demokratische Gesellschaft mit sozialem Ausgleich ergibt. Unsere Aufgaben und Wirkungen sind nicht mit denen eines Automobilklubs vergleichbar. Bei uns geht’s nicht um Reifenpannen, sondern um menschliche Existenzen und eine gerechtere Gesellschaft.

Wenn bei einem Automobilklub-Mitglied das Auto streikt, wird ihm geholfen. Ihm allein und basta. Wenn bei einem Arbeitnehmer der Chef streikt und nicht zahlt, wird ihm geholfen. Ihm allein, aber indirekt auch allen anderen Beschäftigten. Weil mit jedem Brief, jedem Gerichtsverfahren der AK klargemacht wird: „Hier gibt jemand Gas, wenn Gesetze und Kollektivverträge missachtet werden. Also haltet euch an die Regeln!“

Premiumpaket

Wer sich den Automobilklub nicht leisten kann, zahlt erst nix und später, mit ein bisschen Pech, einen teuren Abschleppdienst. Bei der AK bekommen alle das Premiumpaket – egal, was sie einzahlen. Und sogar die, die gar nichts zahlen, weil sie arbeitslos, im Karenz oder prekär beschäftigt sind. Gerade sie brauchen viel Beratung und eine Vertretung. Das geht nur dank einer solidarischen Mitgliedschaft.

Ein Automobilklub tritt nur für Zahlende ein. Wir treten für gerechte Gesetze für alle ein, oft sogar für Nichtmitglieder. Von einem soliden Sozialstaat haben alle was, auch Selbstständige.

Ein Automobilklub tritt nur für Fairness auf der Straße ein – im Sinne der AutofahrerInnen. Wir treten für Fairness in der Gesellschaft ein – im Sinne der ArbeitnehmerInnen, aber nicht nur. Wir haben das große Ganze im Blick. Gemeinsam mit den Sozialpartnern verfolgen wir den Ausgleich von Interessen. Unser Ziel ist sozialer Frieden für alle.

Der Automobilklub muss Mitglieder werben. Das kostet Zeit und Geld. Wir können uns dank der automatischen Mitgliedschaft voll auf unsere Aufgaben konzentrieren.

Voller Schutz

Bei privaten Versicherungen kann sich die Frage stellen: Hab’ ich pünktlich bezahlt? Habe ich eine Wartezeit, bevor ich Leistungen bekomme? Diese Sorgen gibt es bei der AK nicht. Hier genießen alle Mitglieder vollen Schutz. Oft wissen sie das erst, wenn sie uns brauchen und ohne Zusatzkosten vertreten werden.

Zu viele Unfälle? Zu alt oder blind zum Autofahren? Eine private Versicherung kann jemand ablehnen, der zu viel kosten könnte. Oder Versicherte mit hohem Risiko stärker zur Kasse bitten. Bei uns gibt es keine teureren Polizzen, wenn jemand besonders viel Unterstützung braucht.

Zu guter Letzt: Anders als bei Automobilklubs oder privat Versicherten bestimmen bei der AK die Mitglieder den Kurs ihrer Vertretung – in freien, demokratischen Wahlen. Die nächste AK-Wahl findet 2019 statt.

PS: Die Autofahrerklubs machen einen tollen Job – trotzdem sind sie mit der AK nicht vergleichbar.


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