Chancen-Index ermöglicht ein gerechtes Lernumfeld

Vucko Schüchner, 6. Oktober 2017

Der Erfolg eines Kindes in Österreich hängt nicht nur von seinen Talenten ab. Viel zu oft ist nicht sein Potential ausschlaggebend, sondern seine Herkunft. Denn Bildung wird vererbt und die Schule gleicht diesen Umstand nicht ausreichend aus. Die Chancen zum Aufstieg vieler Kinder werden vergeben und Talente bleiben unentdeckt. Um dies zu ändern braucht es einen Unterricht, der die Voraussetzungen der SchülerInnen ausgleicht.

Systemumstellung erforderlich

Schulstandorte stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen, weshalb sie auch unterschiedliche, den Aufgaben angepasste Ausstattung benötigen. Eine standortsensible Finanzierung kann mit Hilfe verschiedener Indikatoren erfolgen. Internationale Beispiele zeigen dies schon seit Jahren. Für die spezifischen Rahmenbedingungen in Österreich hat die AK ein Chancen-Index Modell entwickelt, das als Berechnungsgrundlage den Bildungsstand der Eltern und die Alltagssprache der SchülerInnen hat, da diese die wesentlichen Einflussfaktoren für Bildungserfolg sind.

Um Schulen auf Basis des Chancen-Index zu finanzieren, braucht es allerdings eine Systemumstellung. Dazu gehört eine gerechte und transparente Basisfinanzierung für alle Schulen sowie einen Chancen-Indexzuschlag für alle in jener Höhe, in der sie ihn brauchen. Das bringt bessere Rahmenbedingungen für jede/n und ermöglicht bessere Bildungserfolge der SchülerInnen an allen Standorten, nicht nur an einigen privilegierten. Um die pädagogischen Möglichkeiten ausschöpfen zu können, sollen die Mittel an Schulcluster gehen, in denen diese den Aufgaben entsprechend verteilt werden. Die Schulleitung bekommt administrative Unterstützung, um den Fokus auf Schulentwicklung und die pädagogischen Herausforderungen legen zu können. Verstärkte Qualifikation von Schulleitungen im Bereich Management und Personalführung ist dafür aber Voraussetzung. Durch Pädagogische Autonomie kann der Schulalltag nun noch stärker an die Herausforderungen der Standorte angepasst. Als Basis dient das von der Schul-/Clusterleitung vorzulegende pädagogische Konzept. Multiprofessionelle Teams ermöglichen es, die Herausforderungen mit den verschiedensten ExpertInnen lösen zu können, um so jedes Kind optimal zu fördern.

Qualitätsentwicklung als Schlüssel

Fokussierte Qualitätsentwicklung an den Standorten ermöglicht eine nachhaltige Verbesserung der Bedingungen in den Schulclustern, da die Qualität der Lernumgebung langfristig verbessert wird. Um dies zu ermöglichen bedarf es zusätzliche Ressourcen. In der Volksschule sind dies rund 12%, in der Neuen Mittelschule rund 10%. Die zusätzlichen Kosten dafür würden rund € 300.000.000 betragen.

Mehr Möglichkeiten bei größeren Herausforderungen

Wie sich diese transparente Finanzierung auswirkt, zeigen folgende konkreten Beispiele, in denen die zurzeit zugeteilten Ressourcen mit jenen nach dem Chancen-Index Modell verglichen werden.

Die Ressourcenverbesserung durch den Chancen-Index anhand von 4 Beispielschulen

Die Ressourcenverbesserung durch den Chancen-Index anhand von 4 Beispielschulen

Volksschulen profitieren generell vom Chancen-Index

Das Beispiel einer großen Volksschule (A) mit hohem Förderbedarf: Die Volksschule hat 312 SchülerInnen. 53% der Eltern haben max. Pflichtschulabschluss, 29% haben einen Lehrabschluss oder eine mittlere Schule abgeschlossen, 10% haben Matura und 8% einen Hochschulabschluss. 44% haben als Alltagssprache Deutsch und 56% eine andere Alltagssprache. Diese Schule hat eine relativ geringe Durchmischung. Dies bringt ihr den Chancen-Indexwert 153,5 ein, damit liegt sie in der Indexstufe 6.

Was würde dies im Unterschied zur derzeitigen Ausstattungssituation bedeuten? Zurzeit bekommt dieser Standort 19,21 Vollzeitäquivalente (VZÄ) und eine Schulleitung zugewiesen. Mit dem Chancen-Index würde dieser Standort 22,17 VZÄ als Basis und 15,19 VZÄ als Chancen-Index Zuschlag bekommen. Das wären 18,15 VZÄ mehr als aktuell um die SchülerInnen zu fördern. Zusätzlich stünden 1,2 VZÄ für die Leitung und 0,83 VZÄ für administrative Unterstützung zur Verfügung. In diesem Cluster gehen im Schnitt 19,5 SchülerInnen in die 16 Schulklassen. Jeder Klasse stehen 2,34 VZÄ zur Verfügung.

Im Vergleich dazu eine Volkschule (B) mit etwas geringerem Förderbedarf: 288 SchülerInnen besuchen diese Volksschule. 5% der Eltern haben max. Pflichtschulabschluss, 10% haben einen Lehrabschluss oder eine mittlere Schule abgeschlossen, 35% haben Matura und 50% einen Hochschulabschluss.  89% haben als Alltagssprache Deutsch und 11% eine andere Alltagssprache. In dieser Schule sind höhere Bildungsabschlüsse eher überrepräsentiert. Mit dem Chancen-Indexwert 114,05 liegt sie in der Indexstufe 2.

Auch diese Schule würde vom Chancen-Index Modell im Unterschied zur derzeitigen Ausstattungssitutation profitieren. Zurzeit bekommt dieser Standort 15,57 VZÄ und eine Schulleitung zugewiesen. Mit dem Chancen-Index würde dieser Standort 20,45 VZÄ als Basis und 1,15 VZÄ als Chancen-Index Zuschlag bekommen. Das wären 6,03 VZÄ mehr als aktuell für die Arbeit mit den Kindern. Zusätzlich stünden 1 VZÄ für die Leitung und 0,39 VZÄ für administrative Unterstützung zur Verfügung. In diesem Cluster gehen im Schnitt 24 SchülerInnen in die 12 Schulklassen. Jeder Klasse stehen 1,8 VZÄ zur Verfügung.

Neue Mittelschulen können besseres Lernumfeld schaffen

Noch deutlichere Unterschiede werden beim Blick auf Neue Mittelschulen sichtbar.

Nimmt man das Beispiel einer Neuen Mittelschule mit hohem Förderbedarf mit 294 SchülerInnen: Dort haben 79% der Eltern haben max. Pflichtschulabschluss, 15% haben einen Lehrabschluss oder eine mittlere Schule abgeschlossen, 4% haben Matura und 2% einen Hochschulabschluss. 20% haben als Alltagssprache Deutsch und 80% eine andere Alltagssprache. Diese Schule hat eine relativ geringe Durchmischung. Mit dem Chancen-Indexwert 168,92 liegt sie in der Indexstufe 7.

Zurzeit bekommt dieser Standort 33,62 VZÄ und eine Schulleitung zugewiesen. Mit dem Chancen-Index würde dieser Standort 27,09 VZÄ als Basis und 19,76 VZÄ als Chancen-Index Zuschlag bekommen. Das wären 13,23 VZÄ mehr als aktuell um die SchülerInnen zu fördern. Zusätzlich stünden 1 VZÄ für die Leitung und 0,92 VZÄ für administrative Unterstützung zur Verfügung. In diesem Cluster gehen im Schnitt 24,5 SchülerInnen in die 12 Schulklassen. Jeder Klasse stehen 3,90 VZÄ zur Verfügung.

Aber auch eine Neue Mittelschule (B) mit einem geringeren Förderbedarf und einer Schülerzahl von 200 SchülerInnen profitiert: 15% der Eltern haben max. Pflichtschulabschluss, 19% haben einen Lehrabschluss oder eine mittlere Schule abgeschlossen, 42% haben Matura und 24% einen Hochschulabschluss.  74% haben als Alltagssprache Deutsch und 26% eine andere Alltagssprache. In dieser Schule gibt es eine relativ gute Durchmischung. Mit dem Chancen-Indexwert 127,3 liegt sie in der Indexstufe 3.

Zurzeit bekommt dieser Standort 18,40 VZÄ und eine Schulleitung zugewiesen. Mit dem Chancen-Index würde dieser Standort 18,78 VZÄ als Basis und 1,68 VZÄ als Chancen-Index Zuschlag bekommen. Das wären 2,06 VZÄ mehr als aktuell für die Arbeit mit den Kindern. Zusätzlich stünden 1 VZÄ für die Leitung und 0,30 VZÄ für administrative Unterstützung zur Verfügung. In diesem Cluster gehen im Schnitt 25 SchülerInnen in die 8 Schulklassen. Jeder Klasse stehen 2,56 VZÄ zur Verfügung.

Fazit: Chancen-Index für mehr Ressourcengerechtigkeit

Schulstandorte haben unterschiedliche Herausforderungen. Das heißt aber, dass sie auch eine den Aufgaben angepasste Ausstattung benötigen. Das von der AK entwickelte Chancen-Index Modell bietet auf Basis des Bildungsstands der Eltern und der Alltagssprache der Schülerinnen eine praktische Berechnungsgrundlage, nach der Schulausstattung neu vergeben werden könnte, um gerechtere Ausgangsbedingungen für Schulstandorte zu erreichen.

Wie die Parteien zum Chancen-Index stehen, zeigt eine aktuelle Umfrage der Arbeiterkammer.