Wachsende Regionen – mehr Investitionen in klimafreundliche Mobilität

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Thomas Hader, 6. April 2017

Das rasante Bevölkerungswachstum schlägt sich auch auf die Bahnnutzung nieder. Neueste Zahlen zeigen, dass die Fahrgastzahlen in der Ostregion innerhalb von vier Jahren um 20 Prozent gestiegen sind. Damit waren 2015 täglich um 60.000 Personen mehr unterwegs als 2011.

Grund für die vor kurzem im gemeinwirtschaftlichen Leistungsbericht veröffentlichten Fahrgaststeigerungen ist nicht zuletzt die zunehmende Zahl an PendlerInnen. So ist etwa im Zeitraum 2004 bis 2014 die Zahl der Wiener Ein- und AuspendlerInnen von etwas mehr als 200.000 auf über 230.000 gestiegen. In den vergangenen Jahren wurde viel für die Verbesserung des Schienennetzes in der Ostregion getan und auch in den nächsten Jahren erlauben neue Infrastrukturen Angebotsausweitungen. Bislang bedeuteten die oft jahrelangen Baumaßnahmen, etwa im Zuge der Errichtung des neuen Wiener Hauptbahnhofes, für die StammkundInnen immer wieder Einschränkungen und Verspätungen. Mit der Eröffnung und Inbetriebnahme der neuen Infrastrukturen war daher stets nicht nur die Hoffnung auf einen reibungslosen Regelbetrieb, sondern vor allem auch jene nach einer Angebotsverbesserung verbunden. Eine Analyse der BahnpendlerInnenpotenziale der TU Wien im Auftrag der drei betroffenen Arbeiterkammern hat bereits zeigt, dass etwa doppelt so viele PendlerInnen die Bahn am Arbeitsweg nutzen könnten, als dies derzeit der Fall ist. Allerdings braucht es dazu auch das entsprechende Angebot.

PendlerInnen sehen Fahrplanangebot kritisch

Zum Fahrplanwechsel 2015/2016 haben die drei Arbeiterkammern die PendlerInnen zu ihren Arbeitswegen befragt. Rund 3.000 haben sich an der Befragung beteiligt, wobei etwa 2.000 von ihnen überwiegend die Bahn nutzen. Die StammkundInnen der Bahn sahen das Fahrplanangebot sehr kritisch. Fast 64 Prozent waren der Meinung, dass sich das Angebot verschlechtert habe, fast zwei Drittel berichteten von längeren Zugfahrzeiten und 30 Prozent von häufigerem Umsteigen. Hintergrund des Unmutes ist auch, dass selbst geringfügige Fahrplanänderungen für viele Schwierigkeiten im Arbeitsalltag mit sich bringen, denn immerhin hat jeder zweite vom Dienstgeber fix vorgegebene Dienstzeiten.

Zur Verbesserung ihrer Situation fordern die PendlerInnen mehr Angebot und mehr Pünktlichkeit. Vor allem in der Früh und am Nachmittag braucht es zusätzliche Verbindungen, wobei am Morgen die Pressburgerbahn und die äußere Aspangbahn besonders hervorstechen. Am Nachmittag zeigt sich besonderer Handlungsbedarf bei der Ostbahn und am späteren Abend (nach 21 Uhr), wo Verdichtungen generell weniger nachgefragt werden, zeigt sich dringender Handlungsbedarf an der Pottendorfer Linie. Hier fordern 38 Prozent der PendlerInnen mehr Angebot.

Grafik: Jakob Fielhauer, Quelle: AK PendlerInnenbefragung 2016

Finanzierung – Länder lassen Geld auf der Straße liegen

Der Aufwand für die Zugverbindungen des aktuellen Angebots in der Ostregion macht 330 Millionen Euro im Jahr aus. Für eine spürbare Verbesserung des Bahnangebots braucht es täglich mindestens 130 Zugverbindungen mehr – diese würden jährlich rund 20 Millionen Euro zusätzlich kosten. Beim neuen Wagenmaterial ist von rund 50 Millionen Euro Finanzierungsbedarf im Jahr auszugehen, um 170 alte Garnituren möglichst rasch zu ersetzen. Hier müssen Bund und Länder mehr investieren. Ein Grund mehr, weshalb die Länder endlich eine flächendeckende Lkw-Maut beschließen müssen. Diese würde Einnahmen von rund 127 Millionen Euro für die Länder der Ostregion bringen, wobei rund 32 Millionen Euro in den öffentlichen Personenverkehr fließen müssten. Die Einführung von Mautzuschlägen für Lärm und Abgase bei Lkw auf den Autobahnen bringt ab heuer etwa 40 Millionen Euro jährlich für den Bund. Hier ist laut EU-Vorgabe eine Zweckbindung zur Optimierung des Verkehrssystems anzustreben. Auch davon sollte zumindest ein Teil in den Bahnverkehr der Ostregion fließen.

Bestellungen ab 2020 müssen mehr Angebot auf Schiene bringen

Im Jahr 2019 laufen die bestehenden Verkehrsdienstverträge aus und für die Zeit nach 2020 müssen neue Vereinbarungen abgeschlossen werden. Dies ist die einmalige Chance eine massive Angebotsausweitung in der Ostregion umzusetzen. Mindestens 130 Züge mehr am Tag sind für die steigende Zahl der PendlerInnen erforderlich. Dazu ist auch die Anschaffung von neuem Wagenmaterial notwendig. Es braucht aber auch eine Vereinfachung der vertraglichen Abwicklung der Bestellungen, denn derzeit gibt es vier Verträge allein des Unternehmens ÖBB mit dem Bund und den Ländern Wien, Burgenland und Niederösterreich. Das bedeutet vier Mal verhandeln und komplizierte Abstimmung der Anforderungen aus den vier Bestellungen. Künftig sollte es einen Vertrag aus einem Guss geben, bei dem auch die Wünsche der PendlerInnen stärker berücksichtigt werden müssen.


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