Unsichere Jobs beeinflussen Arbeitsqualität und Gesundheit

Patricia Mayrhofer, 6. Dezember 2016 

foto_patricia_neuDie Arbeitswelt ist im Wandel – atypische und unsichere Beschäftigungsformen sind mittlerweile durchaus üblich. Mit derartigen Beschäftigungsverhältnissen geht meist eine große Unsicherheit einher: Wer nicht weiß, ob der befristete Vertrag verlängert wird, fühlt sich oft als Arbeitnehmer/-in zweiter Klasse und kann die persönliche Zukunft kaum planen. Nicht nur die drohende Arbeitslosigkeit, auch die Ungewissheit nach Umstrukturierungsprozessen ist eine große Belastung für die Betroffenen. Die Sorge um den Arbeitsplatz wirkt sich nicht nur negativ auf die Arbeitsqualität aus, sondern führt auch zu erheblichen psychischen und körperlichen Belastungen.

Je unsicherer der Job, desto höher die Unzufriedenheit

Beschäftigte in unsicheren Jobs sind häufig mit Sinnverlusten, Anerkennungsdefiziten und Planungsunsicherheiten konfrontiert. Alarmierende Daten dazu liefert aktuell der Österreichische Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich: Nicht einmal die Hälfte der Beschäftigten mit unsicheren Arbeitsplätzen ist mit ihrer sozialen Position als Arbeitnehmer/-in zufrieden. Im Gegensatz zu Beschäftigten mit halbwegs sicheren Arbeitsplätzen: Unter ihnen sind mehr als Dreiviertel der Befragten mit ihrer sozialen Position zufrieden.

Mit ihren Rechten als Arbeitnehmer/-innen sind nur 40 Prozent der Beschäftigten mit unsicheren Arbeitsplätzen zufrieden. Hingegen sind 76 Prozent der Beschäftigten mit sicheren Arbeitsplätzen mit ihren Rechten zufrieden. Mit dem Einkommen sind nur 31 Prozent der Arbeitnehmer/-innen mit unsicheren Arbeitsplätzen zufrieden.

Grafik 1: Zufriedenheit mit Position, Rechten und Einkommen

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Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten

Wer um seinen Arbeitsplatz fürchten muss, leidet eher an psychischen Erkrankungen. Langzeitstudien belegen, dass sich bei dem Wechsel von einer unsicheren in eine sichere Beschäftigung der Gesundheitszustand signifikant verbessert.

Der Arbeitsklima Index zeigt auf, dass Sorgen um den Arbeitsplatz mit erheblichen psychischen und körperlichen Belastungen einhergehen. Jene Beschäftigten, die an einem sicheren Arbeitsplatz arbeiten, weisen ein wesentlich höheres persönliches Wohlbefinden und eine bessere gesundheitliche Verfassung auf als jene mit unsicheren Arbeitsplätzen.

Mehr als die Hälfte jener Beschäftigten mit unsicheren Arbeitsplätzen leidet an Erschöpfung und Mattigkeit (54 Prozent), dicht gefolgt von Einschlaf- und Durchschlafstörungen, wovon fast jede/jeder Zweite betroffen ist (46 Prozent). Auch der Anteil jener, die krank zur Arbeit gehen, steigt drastisch an, wenn Beschäftigte um den Job bangen müssen.

Grafik 2: Der Gesundheitszustand im Vergleich

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Auswirkungen auf die Psyche der Beschäftigten

Ein möglicher Arbeitsplatzverlust ist einer der häufigsten Gründe für arbeitsbedingten Stress. Immer mehr Beschäftigte mit unsicheren Jobs greifen zu Medikamenten, um Stress am Arbeitsplatz besser durchzustehen. Der DAK-Gesundheitsreport (DAK = Deutsche Angestellten Krankenkasse) „Update: Doping am Arbeitsplatz“ zeigt auf, dass der Medikamentenmissbrauch zum Erhalt und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz, zur Steigerung des Wohlbefindens oder auch zum Abbau von Ängsten und Nervosität zugenommen hat. Besonders auffallendes Ergebnis: Menschen mit befristeten Beschäftigungsverhältnissen und damit unsicheren Perspektiven nehmen zu einem überdurchschnittlich hohen Anteil verschreibungspflichtige Medikamente ein.

Nicht alle Beschäftigten werden gleich behandelt

Ein weiteres Problem sind die großen Ungleichbehandlungen zwischen den verschiedenen Beschäftigtengruppen. Im Arbeits- und Gesundheitsschutz wurde festgestellt, dass Leiharbeitskräfte unter deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen leiden als Beschäftigte, die zur Stammbelegschaft gehören.

Außerdem sind Mitarbeiter/-innen mit unsicheren Arbeitsplätzen deutlich unzufriedener mit den Sozialleistungen in ihrem Betrieb, was auf große Ungleichbehandlungen auch in diesem Bereich hinweist. Laut Arbeitsklima Index sind nur 32 Prozent der Beschäftigten in unsicheren Arbeitsplätzen mit den Weiterbildungsmöglichkeiten zufrieden. Das liegt daran, dass atypisch Beschäftigte schlechtere Chancen auf Bildungsmaßnahmen haben als Beschäftigte in „normalen“ Arbeitsverhältnissen. In weiterer Folge sind auch ihre Aufstiegschancen schlechter. Nur knapp ein Drittel der atypisch Beschäftigten ist mit den Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen zufrieden. Bei den Beschäftigten mit sicheren Arbeitsplätzen ist es deutlich mehr als die Hälfte.

Auch die Qualität der Arbeit leidet

Große Unsicherheit unter den Beschäftigten ist vor allem dann spürbar, wenn reguläre Arbeitsplätze durch flexible Beschäftigung (wie zum Beispiel Leiharbeit oder Werkverträge) ersetzt werden. Prekäre Jobs werden dann als Bedrohung wahrgenommen – Spaltungen zwischen den Beschäftigten vertiefen sich.

Die Sorge um den Arbeitsplatz und die damit verbundene Unsicherheit wirkt sich auch negativ auf die Arbeitsqualität aus. Immerhin mehr als jede und jeder Vierte (26 Prozent) mit einem unsicheren Arbeitsplatz gibt laut Arbeitsklima Index an, sich durch die Arbeit ausgelaugt zu fühlen. Bei den Beschäftigten mit sicheren Arbeitsplätzen liegt dieser Anteil bei nur zwölf Prozent. Hinzu kommt, dass nur 31 Prozent der Beschäftigten mit unsicheren Arbeitsplätzen Spaß an ihrer Arbeit haben.

Beschäftigten die Ängste nehmen

Gerade in Unternehmen mit großen Veränderungsprozessen sind die Ängste der Beschäftigten enorm hoch. Umstrukturierungen im Betrieb sollen der Belegschaft daher klar und transparent kommuniziert werden. Wichtig für die seelische Gesundheit der Beschäftigten ist es, für ausreichende Ressourcen, für Mitwirkungsmöglichkeiten sowie für entsprechende Aus- und Weiterbildung zu sorgen.

Fazit

Angst um den Job und Angst um die eigene Zukunft führen zu großen seelischen und gesundheitlichen Problemen und die Qualität der Arbeit leidet. Die Menschen brauchen daher Sicherheit im Job. Vor allem bei betrieblichen Umstrukturierungsprozessen kommt den Betriebsräten/-innen eine besondere Rolle zu: Sie können klare Kommunikationsstrategien von der Unternehmensführung einfordern und durch Gespräche mit Beschäftigten Sicherheit schaffen. Aber auch der verpflichtende Einsatz von Arbeits- und Organisationspsychologen/-innen ist eine notwendige Maßnahme, um Umstrukturierungsprozesse zu begleiten und psychische Belastungen einzudämmen.