Schlagwort-Archive: Europa

Europaweite Stärkung der Kollektivvertragssysteme gefragt

Thorsten Schulten, Guy Van Gyes und Torsten Müller, 2. Dezember 2016

Lohnpolitik, Kollektivvertragssysteme, EULöhne, EGI, ETUI, lohnpolitischer InterventionismusIn der EU ist derzeit eine Sichtweise auf Löhne und Kollektivvertragssysteme vorherrschend, die diese einseitig als Problem für die Wettbewerbsfähigkeit definiert. Diese Sichtweise führte zu Reformen der „Economic Governance“ bzw. der wirtschaftspolitischen Steuerung in der EU, die als neuer lohnpolitischer Interventionismus verstanden werden kann. In unserem neuen Sammelband analysieren wir die Auswirkungen dieser Politik auf die Arbeitsbeziehungen in den einzelnen Ländern, aber auch auf den Verlauf der wirtschaftlichen und sozialen Krise, die auf diese Art nicht überwunden werden konnte. Demgegenüber steht eine alternative Sichtweise, die auf eine expansivere und solidarischere Lohnpolitik in Europa setzt. Weiterlesen

Flüchtige wirtschaftliche Erholung in Europa – iAGS 2017

Georg Feigl, 30. November 2016

Georg Feigl, Europäische Wirtschaftspolitik, Spanien, öffentliche Haushalte, BudgetpolitikDie wirtschaftliche Situation in Europa zeichnet sich durch den flüchtigen Charakter der Erholung aus, die mit hohen sozialen Kosten einher geht. Als Folge verschiebt sich der prognostizierte Zeitpunkt für die Rückkehr zur – ohnehin bereits hohen – Arbeitslosenquote vor der Krise auf das Jahr 2023 (Eurozone). Trotzdem hält die EU-Kommission auch im neuen Jahreswachstumsbericht weitgehend an ihren wirtschaftspolitischen Prioritäten fest. Im alternativen Bericht (kurz iAGS) argumentieren wir, dass im Sinne einer ausgewogene wohlstandsorientierte Wirtschaftspolitik aktuell die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit oberste Priorität haben muss. Ein starker Anschub öffentlicher Investitionen zusammen mit höheren Löhnen und einer Beschleunigung des ökologischen Umbaus der Wirtschaft sollte dabei im Mittelpunkt stehen. Weiterlesen

Alternativen zur Krise in Europa: Warum die Zivilgesellschaft großteils Recht hatte

Thomas Fazi, 25. November 2016

Europa, Italien, Wirtschaftspolitik, Soziale Bewegungen, Sbilanciamoci!Seit Beginn der Krise 2008 wird in Europa eine intensive Diskussion geführt, in der offizielle politische Prioritäten in Frage gestellt werden. Organisationen der Zivilgesellschaft wie Gewerkschaften, Denkfabriken und Basisbewegungen fordern ein alternatives europäisches Projekt ein. Zentrale Themen sind u.a. die Beendigung der Austeritätspolitik, die Wiederherstellung des allgemeinen Wohlstandes, eine Reform der EU-Institutionen, der Abbau von Ungleichheit sowie eine nachhaltige Umweltpolitik. Während er bei den Forderungen große Übereinstimmungen findet, unterscheiden sich die Ansätze und Taktiken: Zwar tritt die große Mehrheit zivilgesellschaftlicher Organisationen weiterhin für eine progressive Reform Europas ein, doch gewinnt der Wunsch nach einer Umkehrung der europäischen Integration bzw. die Rückkehr zu nationalen Prioritäten an Gewicht. Weiterlesen

Das europäische Schattenbankensystem: Bestandsaufnahme und gegenwärtige Entwicklungen

Karl Beyer und Lars Bräutigam, 9. November 2016

PhotoLarsBräutigamkKarl-BeyerEuropäische Schattenbankenstrukturen, von welchen erhebliche Risiken für die Finanzstabilität ausgehen können, konzentrieren sich mehrheitlich auf nur wenige Staaten. Obgleich ihre Regulierung in Gefolge der Finanzkrise in ihrer Reichweite begrenzt blieb bzw. noch nicht abgeschlossen ist, werden im Rahmen der geplanten Kapitalmarktunion Schattenbankenaktivitäten zur Lösung gegenwärtiger Problemlagen schon wieder gefördert. Es sind vor allem die Länder mit den am stärksten ausgeprägten Finanz- und Schattenbankensektoren, die eher für eine weitere Liberalisierung denn für finanzmarktstabilitätsorientierte Reformen eintreten. Weiterlesen

Löhne und wirtschaftliche Entwicklung in Europa – die 3 Irrtümer der „internen Abwertung“

Torsten Müller, Thorsten Schulten und Sepp Zuckerstätter, 2. November 2016

Löhne, EGI, ETUI, lohnpolitischer InterventionismusLöhne, EGI, ETUI, lohnpolitischer InterventionismusSeit Beginn der Krise ist die Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der zentrale Bezugsrahmen des europäischen Krisenmanagements. Diese Wettbewerbsfixierung basiert im Grundsatz auf der politisch dominanten, aber empirisch nicht haltbaren Interpretation der Krise als eine Krise der (lohn-)kostenbezogenen Wettbewerbsfähigkeit. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit wird aber weder ausschließlich von den Lohnstückkosten bestimmt, noch entscheidet sie alleine über den Exporterfolg – der wiederum selbst für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung überschätzt wird. Angesichts der großen Bedeutung der Binnennachfrage wäre ein lohngetriebenes Wachstumsmodell sehr viel erfolgsversprechender. Weiterlesen

Wie der Keynesianismus nach Österreich kam – und warum er heute wieder nötig wäre

Michael Mesch, 10. Oktober 2016

Michael Mesch, Lohnpolitik, Automatisierung, Beschäftigung, Wirtschaftsgeschichtem, KeynesianismusVon jenen ÖkonomInnen, die in den 1930er-Jahren Österreich verlassen mussten, machten sich einige im Exil mit den neuen ökonomischen Ideen von John Maynard Keynes vertraut. Nach dem Krieg sorgten Zurückgekehrte wie Josef Steindl, Kurt Rothschild, Stefan Wirlandner, Eduard März und andere dafür, dass keynesianische theoretische Ansätze und wirtschaftspolitische Konzepte in Österreich zur Verbreitung und praktischen Anwendung gelangten. In Zeiten von Wachstumsschwäche, Rückstau bei den öffentlichen Investitionen, hohe Arbeitslosigkeit, Umverteilung zulasten der Löhne, zunehmende Einkommensungleichheit und erneut steigende regionale Unterschiede in der EU wäre eine erneute Wende in der Wirtschaftspolitik in Rückbesinnung auf den Keynesianismus angebracht. Weiterlesen

CETA: Ein Dammbruch mit Vorsatz

Florian Steininger, 4. Oktober 2016

florain_steiningerBei CETA geht es nur zweitrangig um Kanada. Denn – soweit sind sich BefürworterInnen und GegnerInnen einig – mit der CETA-Debatte wird die Zukunft der europäischen Handelspolitik bestimmt. Während die nächsten Abkommen schon in den Startlöchern stehen, sind die Folgen für staatliche Handlungsfähigkeit möglicherweise verheerend. Weiterlesen

Wie sozial ist unsere Marktwirtschaft? Eine transatlantische Perspektive auf eine Politik sozialer Gerechtigkeit

Konstantin Wacker, 12. August 2016

Internationale Ökonomie, Handel, Verteilung, MarktwirtschaftUnser System der „sozialen Marktwirtschaft“ gilt als soziale Alternative zum US-Kapitalismus. Betrachtet man lediglich Markteinkommen, so trügt dieses Bild angesichts ähnlich ungleich verteilter Einkommen gehörig, wie dieser Beitrag zeigt. Erst in einem zweiten Schritt wird durch den Staat hierzulande deutlich mehr zu einkommensschwächeren Haushalten umverteilt. Welche Herausforderungen ergeben sich dadurch und kann man in einer solchen Situation überhaupt von „sozialer Gerechtigkeit“ sprechen? Weiterlesen

Kein Fortschritt beim sozialen Zusammenhalt in Europa

Michael Dauderstädt und Cem Keltek, 5. August 2016

Cem_Keltek_100x100michael-dauderstaedtEuropas politischer Zusammenhalt bröckelt – nicht zuletzt angesichts der Krise des sozialen Zusammenhalts. Menschen aus armen Ländern strömen in reichere, in denen viele ihre Einkommens- und Lebenschancen durch die Immigration bedroht sehen. Diese Befürchtungen vermischen sich mit Zorn und Frustration über die steigende gesellschaftliche Polarisierung. In der Europäischen Union (EU) bestätigen die aktuellen Daten für 2014 den besorgniserregenden Trend, der seit 2011 zu beobachten ist: Die Einkommensungleichheit hält sich hartnäckig auf dem Niveau, auf das sie 2010 angestiegen war. 2009 hatte sie nach deutlichen Fortschritten in den Vorjahren ihren niedrigsten Wert erreicht. Weiterlesen

Schweden und Österreich: Ein Vergleich an der Spitze der EU

Markus Marterbauer, 27. Juli 2016

Marterbauer, Konjunktur, Experte, WirtschaftspolitikSchweden und Österreich gehören heute zu den wirtschaftlich stärksten Ländern der Welt. Bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf holte Österreich Schweden schon zu Ende der Regierungszeit Bruno Kreiskys ein. Seither entwickelt sich die Wirtschaftsleistung ähnlich und liegt rund ein Viertel über dem EU-Schnitt, wenn auch in Schweden die konjunkturellen Schwankungen stärker ausfielen als im stabilen Österreich. Ungleichheit und Arbeitslosigkeit sind weniger stark ausgeprägt als in der EU, beide Wohlfahrtsstaaten zählen zu den leistungsfähigsten der Welt. Schweden und Österreich sind prädestiniert, ein progressives soziales Modell in der EU als Gegenpol zum dominanten neoliberalen Projekt zu entwickeln. Weiterlesen