Schlagwort-Archive: Arbeitslosenversicherung

Hartz IV für Österreich: Finger weg von der Notstandshilfe, Herr Finanzminister!

Christine Stelzer-Orthofer, 31. August 2017

Ende Mai gab es Schlagzeilen zu einer möglichen Abschaffung der Notstandshilfe und die Aufregung war groß: Nur über Umwege hat eine vom Finanzministerium beauftragte Studie zur „Simulation der Umlegung der Hartz-IV-Reform auf Österreich“ die Öffentlichkeit erreicht. Im Rahmen dieser Studie wurde geprüft, wie sich die Übernahme des deutschen Modells, das de facto eine Aussteuerung aus der Arbeitslosenversicherung nach einem Jahr vorsieht, in Österreich auswirken würde. Der politische Vorstoß dazu ist nicht ganz neu; immer häufiger wird in Österreich von jenen, die mehr der freien als der sozialen Marktwirtschaft anhängen, die Abschaffung der Notstandshilfe gefordert. Weiterlesen

Arbeiten weit weg von Zuhause? Anforderungen an eine überregionale Vermittlung

Silvia Hofbauer, 18. April 2017

Die Wintersaison geht mit dem Osterwochenende zu Ende. Somit ist dann auch die Diskussion über die Vermittlung von arbeitsuchenden OstösterreicherInnen in den Westen des Landes eingeschlafen. Zu Beginn der Sommersaison, spätestens aber mit dem ersten Schneefall im Herbst wird die Diskussion wieder die Gemüter erhitzen. Daher ist jetzt eine gute Zeit, das Thema sachlich von verschiedenen Seiten zu betrachten. Schließlich ist überregionale Vermittlung nicht nur ein Tourismusthema. Weiterlesen

„Schadensminderungspflichten“ in der Arbeitslosenversicherung: Auch für Arbeitgeber notwendig

Gernot Mitter, 9. März 2017

„Die traurige Wahrheit ist aber, dass, wenn man keine Wahl hat, man nehmen muss, was man bekommt. Fast egal welche Zugeständnisse man machen muss, man sitzt auf dem kürzeren Ast“. Mit diesem Zitat wird das Ergebnis einer Umfrage zu den Erfahrungen von ArbeitnehmerInnen bei der Arbeitssuche sehr gut zusammengefasst. Diese Befragung wurde von der AK Wien im Herbst 2016 unter anderem über ihre Facebook-Seite durchgeführt. Auch wenn sie den Anspruch auf Repräsentativität nicht erheben kann: Sie zeichnet ein recht drastisches Sittenbild eines Arbeitsmarktes mit einem Überangebot an Arbeitsuchenden. Und zeigt: Auch Unternehmen müssen verpflichtet werden, Arbeitslosigkeit so gering wie möglich zu halten. Weiterlesen

Arbeitslosigkeit ist ein/kein Full-Time-Job

Ilse Leidl-Krapfenbauer, 10. August 2016

Ilse_Leidl-KrapfenbauerDa ist sie wieder – wie auch schon im letzten Sommer: die Debatte rund um die Leistung und die Moral von Arbeitsuchenden. Und die MindestsicherungsbezieherInnen. Sommerloch? Oder ist da etwas dran? Personen, die auf Arbeitsuche sind, sind nicht gleich und daher nicht in einem Topf zu werfen oder gar zu verurteilen. Die Situation und die Problemlagen der Menschen sind höchst unterschiedlich. Doch eines haben fast alle der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen gemein: sie hätten gerne einen guten Job von dem man leben kann. Weiterlesen

Weiterhin ungerecht: Die Partner/innen-Einkommensanrechnung in der Notstandshilfe

Sarah Bruckner & Ilse Leidl-Krapfenbauer, 29. Mai 2015

Ilse_Leidl-KrapfenbauerBruckner_SarahVor zwei Jahren behandelte einer der ersten Artikel dieses Blogs das Thema der Partner/innen-Einkommensanrechnung in der Notstandshilfe. Diese gesetzliche Regelung besagt, dass die Notstandshilfe reduziert wird oder komplett wegfällt, wenn der/die Partner/in ein Einkommen bezieht. Seit dem letzten Artikel hat sich für die Betroffenen leider nichts zum Positiven verändert: die Dauer der Arbeitslosigkeit steigt und damit die Gefahr der Menschen (und ihrer Familien) durch den Wegfall bzw. die Reduktion der Notstandshilfe in die Armut abzurutschen. Die Partner/innen-Einkommensanrechnung bleibt weiter bestehen und sie bleibt weiter ungerecht. Weiterlesen

Schleichender Abschied von der Sozialversicherungslogik: Wie die „Hartz“-Reformen die Arbeitslosenversicherung schwächen

Peer Rosenthal, 10. September 2014

Rosenthal_PortraitIn seinem Beitrag „Gesund dank Dr. Hartz“ hat Matthias Knuth eindrucksvoll dargelegt, wie gering der Anteil der „Hartz“-Reformen am deutschen „Beschäftigungswunder“ ist. Insgesamt scheint der Politikmix aus „Hartz“-Reformen und „Agenda 2010“ das Ausschöpfen der Beschäftigungspotenziale eher verhindert als gesteigert zu haben. Und trotzdem wird für die Reformen ein hoher Preis bezahlt: Mit den Veränderungen im System der Arbeitslosenversicherung, der Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und der spezifischen Ausgestaltung von „Hartz IV“ ist ein schleichender Abschied von der Sozialversicherungslogik eingeleitet worden. Das ursprüngliche Ziel, bei Arbeitslosigkeit den Einkommens- und den beruflichen Status zu garantieren, wurde dem Ziel der schnellen Wiederbeschäftigung untergeordnet. Weiterlesen

Eine europäische Arbeitslosenversicherung – nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll!

Johannes Schweighofer, 22. Mai 2014

Angesichts der krisenhaften Entwicklung seit 2009 und des damit verbundenen Anstieges der Arbeitslosigkeit wird in der EU wieder vermehrt über die Einführung einer europäischen Arbeitslosenversicherung (EURO-ALV) diskutiert. Diese könnte dann positive wirtschaftliche Effekte haben, wenn sie klug umgesetzt wird, d. h. sie müsste die folgenden Bedingungen erfüllen: Erstens müssten mit der Einführung dieser EURO-ALV deutlich konjunkturstabilisierende Wirkungen verbunden sein, was nichts anderes bedeuten würde als ein deutlich höheres Wachstum für den EURO-Raum insgesamt. Zweitens darf diese Versicherung zu keinen permanenten Transfers von Ländern mit niedriger zu Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit führen (denn dafür sind Strukturfonds da). Und Drittens muss verhindert werden, dass die Finanzminister in Europa die Einführung einer EURO-ALV zum Anlass nehmen für weitere Einsparungen bei den Arbeitslosen und damit ein „race to the bottom“ losgetreten wird. Eine Variante, bei der diese Versicherung durch nationale ALV-Beiträge finanziert werden würde, erfüllt diese Bedingungen nicht. Werden hingegen andere Finanzierungsquellen wie beispielsweise eine Finanztransaktions-, eine Kerosin- oder eine CO2-Steuer herangezogen, so ließen sich zumindest die ersten beiden Ziele erreichen. Weiterlesen

Individuelle Strategien der Existenzsicherung in der Arbeitslosigkeit

Evelyn Hacker, Daniel Schönherr, Georg Michenthaler, 30. April 2014

Michenthaler_GeorgDie Einleitungsfrage – „daniel schönherrHackerWas wissen wir über Arbeitslosigkeit?“ – der bahnbrechenden Studie Die Arbeitslosen von Marienthal“ von 1933 hat auch heute, unter den Bedingungen ausgebauter sozialer Sicherungssysteme, ihre Berechtigung. Gerade der öffentliche Diskurs über Arbeitslosigkeit greift immer wieder auf stereotype Bilder zurück, die Arbeitslosigkeit als eigenverschuldeten und von den Betroffenen absichtlich aufrecht erhaltenen Zustand darstellen. Ziel einer von IFES und SORA gemeinsam im Auftrag der Arbeiterkammer Wien durchgeführten Studie ist es, dem gegenüber Einblicke in die reale soziale und finanzielle Situation von Arbeitslosen in Wien und deren Strategien zur Sicherung ihrer Existenz zu liefern. Weiterlesen

Arbeitslosigkeit ist kein Randphänomen

Ilse Leidl, 2. Dezember 2013

leidl100x100Für viele Menschen ist Arbeitslosigkeit weit weg, oft werden „die Arbeitslosen“ als eine Gruppe „am Rande der Gesellschaft“ angesehen. Arbeitslosigkeit ist aber längst kein Randphänomen mehr, sie ist bereits in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen: im ersten Halbjahr 2013 hat sie immerhin rund 711.000 Menschen in Österreich betroffen. Und Arbeitslosigkeit hat viele Gesichter. Weiterlesen