Roboter oder Automatisierung sind nicht das Problem, machtlose Arbeitnehmer schon

image_pdfimage_printDrucken

Lawrence Mishel und Heidi Shierholz, 28. Juni 2017

In den Medien wird derzeit wieder die Angst vor arbeitsplatzvernichtenden Robotern geschürt und Experten sehen Automatisierung als wichtige Ursache für die langfristige Lohnstagnation in der Mittelschicht. Aber schreitet die Revolution des Arbeitsmarkts durch Roboter gerade wirklich besonders schnell voran? Nein, im Gegenteil. Zunächst darf man nicht vergessen, dass Technologie und Automatisierung schon seit jeher zu neuen Arbeitsweisen geführt haben. Technik ist nicht das Problem. Dank Robotern und Automatisierung können wir für weniger Geld mehr produzieren, die Effizienz steigt. Wenn Waren und Dienstleistungen billiger werden, können sich die Verbraucher mehr von Robotern gefertigte Produkte kaufen oder ihr gespartes Geld für andere Dinge ausgeben. Und wenn die Verbraucher mit ihrem überschüssigen Geld zusätzliche Waren und Dienstleistungen kaufen, entstehen neue Arbeitsplätze. Diese neuen Arbeitsplätze ersetzen zum Teil die Arbeitsplätze, die durch die Automatisierung wegfallen.

Aber vernichten Roboter heute mehr Arbeitsplätze als früher und werden dadurch mehr menschliche Arbeitnehmer freigesetzt, als die Wirtschaft absorbieren kann? Wieder ist die Antwort nein. Viele mag es überraschen, aber die Daten zu Investitionen und Produktivität zeigen nicht die verheerende Spur einer rasanten Automatisierung – im Gegenteil: das Wachstum von Arbeitsproduktivität, Anlageinvestitionen und insbesondere von Investitionen in Informationstechnik und Software hat sich in den 2000er-Jahren stark verlangsamt. Die Befürchtung, dass Roboter oder die Automatisierung den Arbeitsmarkt zurzeit besonders radikal transformiert, ist unbegründet.

Die erste Grafik zeigt, dass Produktivität und Anlageinvestitionen während des Technologiebooms der späten 1990er-Jahre tatsächlich stark gewachsen sind. In der Erholungsphase 2002–2007 nahm das Wachstum jedoch bereits wieder ab, eine Entwicklung, die sich mit der Wirtschaftskrise noch verstärkte.

Die zweite Grafik konzentriert sich besonders auf zwei Segmente der Anlageinvestition, nämlich Investitionen in Geräte zur Informationsverarbeitung (vor allem Computer und Kommunikationsgeräte) und in Software. Investitionen in Datenverarbeitungsgeräte verzeichneten 2002–2007 ein jährliches Wachstum von 8,0 Prozent, ungefähr die Hälfte der 15,6 Prozent für den Zeitraum 1995–2002; nach 2007 nahm das Wachstum noch weiter ab (4,8 Prozent im Jahr). Wenn Technologie unsere Arbeitswelt wirklich rasant transformieren würde, müsste sich eine gegenteilige Entwicklung abzeichnen – ein starker Anstieg bei der Nutzung von IT-Anlagen und Software zur Produktion von Waren und Dienstleistungen. Das war in den späten 1990er-Jahren auch der Fall, heute jedoch nicht mehr.

Wir können die Angst vor Robotern wieder vergessen. Roboter sind nicht schuld an Massenarbeitslosigkeit, Lohnstagnation oder der sich öffnenden Einkommensschere. Vor Kurzem nannte die New York Times die Angst vor Robotern eine „Ablenkung von echten Problemen und echten Lösungen.“ Wir sollten uns stattdessen auf politische Entscheidungen konzentrieren, die Arbeitnehmer und ihre Familien wirklich bedrohen, wie erodierende Arbeitsnormen, der Rückgang gewerkschaftlicher Organisierung, eine unsymmetrische Globalisierung und sinkende Spitzensteuersätze.

Anmerkung: Dieser Beitrag wurde ursprünglich hier veröffentlicht: http://www.epi.org/publication/robots-or-automation-are-not-the-problem-too-little-worker-power-is


Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0

Dieser Textbeitrag ist unter einer Creative-Commons-Lizenz vom Typ  Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International zugänglich. Um eine Kopie dieser Lizenz einzusehen, konsultieren Sie http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ Weitere Informationen auch hier: http://blog.arbeit-wirtschaft.at/ueberdiesenblog/#creativecommons