Die Macht der Daten

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Sylvia Kuba & Michael Heiling, 4. November 2015.

kubasylviaHeiling_MichaelZwei Grafiken zeigen die wachsende Macht von Internetkonzernen, deren Geschäftsmodelle auf der Sammlung, Analyse und Kombination von Daten basieren. Oft wird in Diskussionen das Gefühl vermittelt, dass man den rasanten Entwicklungen im Bereich von Big Data eigentlich nichts entgegen setzen könnte und der Kampf um den Schutz von Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten längst verloren wäre. Ganz so ist es freilich nicht.

Die Macht der Daten

In den letzten  Jahren  explodierte die Menge an Daten, die produziert, gespeichert, analysiert und kombiniert wird. Und damit wuchs auch die Macht von Konzernen, deren Geschäftsgrundlage die kommerzieller Verwertung dieser Daten ist. Wie die Grafik zeigt erwirtschafteten 2013 vier große Internetkonzerne  (Apple, Amazon, Google und Facebook) dreimal so viel Umsatz und mehr als zehnmal so viel Gewinn wie alle ATX Konzerne zusammen. Dabei kommen sie aber mit verhältnismäßig wenig Beschäftigten aus. Bei Facebook z.B. erwirtschaftete jede/r Beschäftigte/r mehr als eine Viertelmillion US-Dollar Gewinn.

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Für die Beschäftigungswirkung und die Fragen künftiger Finanzierung von Sozialsystemen werfen diese Entwicklungen – hohe Wertschöpfung bei geringer Beschäftigung – vielfältige Fragen auf. Dazu kommt, dass im Bereich der neuen digitalen Unternehmen (siehe hier auch jene, die unter dem Begriff der „Share Economy“ firmieren)  starke Monopolisierungstendenzen erkennbar sind und ihr globales Agieren eine lückenlose Besteuerung oder umfangreiche Regulierung erschwert.

Was machen die mit den Daten?

Was aus der Kombination und Analyse der gesammelten Daten möglich wird zeigt folgende Grafik. Aus 170 Facebook-Likes lassen sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die ethnische Herkunft das Geschlecht, die sexuelle Orientierung und die politische Einstellungen eines Menschen ableiten. Und das ist nur ein kleines Beispiel dessen, was möglich ist.

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Die kommerzielle  Nutzung dieser Datenmengen birgt eine Reihe von Problem- und Gefahrenpotenzialen für die Gesellschaft und jeden Einzelnen. Oft wird in Diskussionen das Gefühl vermittelt, dass man den rasanten Entwicklungen im Bereich von Big Data eigentlich nichts entgegen setzen könnte und den Kampf um den Schutz von Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten längst wäre. Dazu ist zu sagen: Auch wenn die Fragestellungen nicht trivial sind – natürlich gibt es Ansätze um diesen Entwicklungen entgegen zu wirken. Und es gibt zahlreiche sehr konkrete Vorschläge, die sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene anknüpfen. Diese finden sich etwa hier: Digitale Nutzerrechte.

Verantwortung und Rechtsdurchsetzung

Klar ist: Die datenschutzrechtliche Verantwortung der AnbieterInnen muss klar geregelt werden und für die NutzerInnen auch klar identifizierbar und durchsetzbar sein. Die NutzerInnen müssen Herr über Ihre eigenen Daten bleiben und ein Recht auf differenzierte Nutzung haben, bei der sie selbst entscheiden, welche Daten sie zu welchem Zweck zur Verfügung stellen. Es wird notwendig sein, internationale und nationale Standards des Daten- und Persönlichkeitsschutzes zu verbessern und es braucht es neben klaren Verantwortlichkeiten für DatenverarbeiterInnen vor allem auch wirksame Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung für digitale NutzerInnen.