Die Berufsschule bleibt bei der Digitalisierung zurück

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Andreas Kastner, 27. Jänner 2017

Die aktuelle Erhebung der digitalen Infrastruktur an Schulen offenbart eine große digitale Lücke an den Berufsschulen. Während die Digitalisierung des Unterrichts in den meisten Schulen voranschreitet, heißt es für Lehrlinge meist: Bitte warten.

Die digitale Infrastruktur an Österreichs Schulen

Die Digitalisierung der Schule ist ein wichtiger Eckpfeiler des neuen Aktionsplans „Schule 4.0“ der Bildungsministerin sowie des „Plan A“ des Bundeskanzler und der digitale Roadmap der Bundesregierung. Im Rahmen dieser Schwerpunktsetzung wurde die IKT-Infrastrukturerhebung 2016 vom Bildungsministerium veröffentlicht. Sie erfasst alle österreichischen Schulen und bietet daher ein umfassendes Bild des aktuellen Standes der Digitalisierung der Bildungseinrichtungen. Ein besonderer Fokus lag auf den Themenbereichen Internetanbindung und –nutzung, Schulnetzwerke sowie E-Learning.

 Die Berufsschule bleibt bei der Digitalisierung zurück

Neben den oft überraschend hohen Standards in den unterschiedlichen Schultypen fällt eines sofort auf: Die Berufsschule hinkt der Digitalisierung hinterher.

Zwar bieten zwei von drei Berufsschulen LAN-Anschlüsse in allen Unterrichtsräumen an und haben im Vergleich mit den Gymnasien und berufsbildenden Schulen teilweise gute Übertragungsraten (über 100 Mbit/s). Große Unterschiede zeigen sich jedoch in der Abdeckung der Berufsschulen mit WLAN. Nur Knapp die Hälfte der BerufsschülerInnen können sich in der Schule kabellos mit dem Schulnetzwerk und dem Internet verbinden. 43% der Berufsschulen haben kein WLAN. Damit ist die Berufsschule der Schultyp mit der geringsten WLAN Abdeckung aller Schultypen. Zum Vergleich: nur  jede fünfte NMS und nur jede zehnte Bundesschule hat keine drahtlose Internetverbindung. Sogar die Volksschulen sind geringfügig besser ausgestattet (41% haben kein WLAN).

Die WLAN Abdeckung ist insofern relevant, da sie eine Voraussetzung für innovativen digitalen Unterricht mit dem Bring-your-own-device-Ansatz ermöglicht, bei dem die Jugendlichen lernen, ihre Alltagsgeräte für den Wissenserwerb und berufliche Ziele zweckorientiert einzusetzen.

Der digital-divide zwischen Jugendlichen vergrößert sich

Bereits in der AK Studie zu den digitalen Kompetenzen der Wiener Jugendlichen zeigt sich dieser digital-divide zwischen SchülerInnen in höheren Schulen und Lehrlingen. Dort berichtete knapp die Hälfte der Lehrlinge, dass Computer in ihren Lehrbetrieben und der Berufsschule kaum eine Rolle spielen.

Dieser Befund findet sich in gleichem Ausmaß auch in der Infrastrukturerhebung des Bildungsministeriums. Während 90% der höheren Schulen und NMS angeben, E-Learning im Unterricht umzusetzen, setzen weniger als die Hälfte der Berufsschulen die neuen Technologien im Unterricht ein (47%).

Digitale Kompetenzen als Voraussetzung für ein erfülltes Arbeitsleben

Digitale Kompetenzen sind die Voraussetzung für gute Arbeitsmarktchancen und Teilhabe in einer digitalen Gesellschaft. Da immer mehr Tätigkeiten innerhalb aller Berufsfelder digitalisiert werden, darf die duale Berufsausbildung bei der Digitalisierung nicht übersehen werden. Nur wenn die Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule am aktuellen Stand der Technik  stattfindet, kann der Stellenwert der Lehrlingsausbildung in der digitalen Wirtschaft aufrechterhalten werden. Nur mit digitalen Kompetenzen können sich Lehrlinge am Arbeitsmarkt der Zukunft behaupten. Daher braucht es einen speziellen Fokus auf die duale Ausbildung im Rahmen der Schule 4.0:

  • Lehrlinge müssen, wie die SchülerInnen der Gymnasien und höheren Schulen, in den Genuss der kostenlosen Laptops im Rahmen des „Plan A“ kommen.
  • Ausweitung der Berufsschulzeit auf zumindest 1260 Stunden, damit mehr Zeit für das Erlernen berufsspezifischer digitaler Kompetenzen bleibt.
  • Ausreichende digitale Infrastruktur an den Berufsschulen.
  • Weiterbildung für BerufsschullehrerInnen um sie fit für den digitalen Unterricht zu machen.
  • Evaluation und Überarbeitung der Ausbildungsvorschriften und der daraus entwickelten Ausbildungspläne sowie der Lehrpläne der Berufsschulen im Hinblick auf die erforderlichen digitalen Kompetenzen: die erforderlichen digitalen Kompetenzen für die künftige Berufsausübung der Lehrlinge müssen in die duale Ausbildung integriert werden.
  • Verbesserte Qualitätssicherung der Ausbildung im Lehrbetrieb