Archiv des Autors: Norman Wagner

Norman Wagner

Über Norman Wagner

Referent für Armuts- und Verteilungsfragen, atypische Beschäftigung sowie Sozialstaatsfinanzierung in der Abteilung Sozialpolitik der AK Wien; Lektor an der FH des BFI Wien.

Über das Ende der Bedarfsorientierten Mindestsicherung und die Gefahren für den Rechtsstaat

Norman Wagner, 10. Jänner 2017

Seit dem Jahreswechsel gibt es sie nicht mehr: die bundesweite Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS). Der Vertrag zwischen Bund und Ländern, die sogenannte Artikel 15a B-VG Vereinbarung, über gemeinsame Mindeststandards konnte nicht verlängert werden. Allen Bemühungen progressiver Kräfte zum Trotz, war eine politische Lösung im Sinne der von Armut Betroffenen nicht möglich. Stattdessen wurden landesspezifische Neuregelungen erlassen, die europa- und verfassungsrechtliche Vorgaben zum Teil offen missachten. Das sollte keinesfalls Schule machen. Weiterlesen

Wider die soziale Hängematte – Fakten zur Bedarfsorientierten Mindestsicherung

Norman Wagner, 18. Dezember 2015

Norman Wagner Blogfoto - Arbeiterkammer Wien - Fotocredit AK, Lisi SpechtDerzeit laufen die Verhandlungen von Bund und Ländern zur Weiterentwicklung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung (BMS). Das ist offenbar auch die Zeit für mäßig qualifizierte Zwischenrufe. In regelmäßigen Abständen kommen Forderungen nach Leistungsdeckelung und -kürzung, nach höherem Druck auf Arbeitsmarktintegration und nach stärkeren Kontrollen. Gründe genug für einen Faktencheck. Weiterlesen

Das Senioritätsprinzip – finanziell überbewertet

Norman Wagner, 27. Oktober 2015

profil_wagner_normanSind die Arbeitskosten von älteren Beschäftigten zu hoch? Ist der altersbedingte Lohnanstieg (Senioritätsprinzip) tatsächlich der zentrale Grund für die vergleichsweise niedrige Beschäftigungsquote der Menschen ab 55? Der industrienahe ThinkTank Agenda Austria und andere ArbeitgeberInnenvertretungen behaupten das immer wieder. Sie fordern daher eine Verringerung der Lohnzuwächse Älterer und treten für eine Lockerung des Kündigungsschutzes für diese Gruppe ein. Eine Studie des Instituts für Höhere Studien im Auftrag des Sozialministeriums zeigt aber, dass das Senioritätsprinzip in vielen Wirtschaftsbereichen kaum existiert und in den meisten anderen durchaus seine Berechtigung hat. Weiterlesen

Die Vermeidung von Lohnnebenkosten durch geringfügige Beschäftigung

Norman Wagner, 21. Juli 2015

profil_wagner_normanDie Bedeutung geringfügiger Beschäftigung nimmt seit über zwei Jahrzehnten kontinuierlich zu. Mittlerweile befinden sich über 300.000 Personen in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis. Wenn Unternehmen geringfügige Beschäftigte einstellen, deren Lohn mehr als das eineinhalbfache der Geringfügigkeitsgrenze ausmacht, müssen sie die sogenannte Dienstgeberabgabe leisten, diese steigt seit Jahren stark an und verfehlt daher ihr ursprüngliches Ziel: die geringfügige Beschäftigung nicht zu stark ansteigen zu lassen. Weiterlesen

Beschäftigungsanstieg trotz stagnierendem Arbeitsvolumen

Norman Wagner, 19. Juni 2015

profil_wagner_normanIm letzten Jahrzehnt kam es, vom krisenbedingten Einbruch im Jahr 2009 abgesehen, in jedem Jahr zu einem Anstieg der Beschäftigung. Das betrifft sowohl die unselbständigen wie auch die selbständig Beschäftigten. Gute Neuigkeiten also, oder? Nicht wirklich, denn obwohl es mehr Beschäftigte gibt, wird – in Arbeitsstunden gemessen – (fast) nicht mehr gearbeitet als vor 10 Jahren. Weiterlesen

Alternative Wege der Sozialstaatsfinanzierung – Contribution Sociale Généralisée

Norman Wagner, 11.März 2015

profil_wagner_normanMehr Netto vom Brutto ist nicht nur aus Sicht von Arbeiterkammer und Gewerkschaft das Gebot der Stunde. Auch die OECD, nicht unbedingt bekannt für ihre bedingungslos progressiven Ansichten, fordert seit Langem eine Senkung der Belastung des Faktors Arbeit. Um eine aufkommensneutrale Abgabenentlastung durchzuführen – und das muss das Ziel sein – ist es jedoch notwendig an anderer Stelle zusätzliche Mittel zu generieren. Eine Entlastung des Faktors Arbeit ohne gleichzeitige Gegenfinanzierung führt zwingend zum Rückgang der öffentlichen Einnahmen und damit zu einer Reduktion der Umverteilungsmöglichkeiten durch die öffentliche Hand. Eine Möglichkeit einer Entlastung von Löhnen und Gehältern ist die Wertschöpfungsabgabe, eine andere ist zum Beispiel die in Frankreich seit 1991 existierende Contribution Sociale Généralisée (CSG). Weiterlesen

Arbeitszeitverkürzung – ohne Lohnausgleich

Norman Wagner, 1.September 2014

profil_wagner_normanDie aktuellen Arbeitsmarktdaten bestätigen einen langjährigen Trend: die Anzahl der beschäftigten Personen nimmt zu und der Anteil der Vollzeitkräfte geht zurück. Die wenig überraschende Konsequenz ist ein Rückgang der durchschnittlichen Arbeitszeit – ohne Lohnausgleich. Weiterlesen

Wenn sich Arme reich machen – Österreichs eigenwilliges Verhältnis zur Mitte und die Statistik der Haushaltseinkommen

Norman Wagner, 25. Februar 2014

profil_wagner_normanAls im letzten Dezember die neuen Daten zu den Haushaltseinkommen in Österreich veröffentlicht wurden, konnte man einen nicht unbeträchtlichen Anstieg der Armutsgefährdungsquote feststellen – von 12,6 % im Jahr 2011 auf 14,4 % der Bevölkerung 2012. Was war geschehen? Weist die Statistik „endlich“ die Folgen der Wirtschaftskrise aus? Oder gar das anekdotisch von vielen wahrgenommene Auseinanderklaffen von arm und reich? Weder noch! Es wurde bei der Erstellung der Statistik schlicht dazu übergegangen von der Erfragung der Einkommensverhältnisse auf „harte“ Verwaltungsdaten zu wechseln. Das Ergebnis ist ein besserer Blick auf die wahren Einkommensverhältnisse. Weiterlesen

Die Atypisierung der Arbeitswelt und ihre Folgen

Norman Wagner, 16. September 2013

profil_wagner_normanDie neuesten Zahlen von Statistik Austria bestätigen einen langjährigen Trend: die Zahl der atypisch Beschäftigten nimmt weiter zu, während der Anteil zeitlich unbegrenzter Vollzeitbeschäftigung zurückgeht. Waren 2004 noch rund 853.000 Menschen unselbständig atypisch beschäftigt, so stieg ihre Zahl bis 2012 auf 1,132 Mio. Personen, was einem Anstieg von beinahe einem Drittel entspricht. Damit beträgt der Anteil der Atypischen an der Gesamtzahl der unselbständig Beschäftigten mittlerweile 31,2 Prozent, 6,1 Prozentpunkte mehr als noch 2004. Umgekehrt bedeutet das, dass der Beschäftigungsanstieg seit dem Jahr 2000 praktisch zur Gänze aus Arbeitsverhältnissen abseits stabiler Vollzeitbeschäftigung entstanden ist. Weiterlesen

Der freie Dienstvertrag – ein Auslaufmodell?

Norman Wagner, 15. Feburar 2013

profil_wagner_normanFreie Dienstverträge galten in Österreich lange Zeit als Antwort darauf, dass die abhängige Beschäftigung zu teuer und zu unflexibel sei und es deshalb billigere, anpassungsfähigere Arbeitsformen geben muss. Menschen, die nicht mehr in unmittelbarer Abhängigkeit von ihrem Arbeitgeber stehen, den Arbeitsort selbst wählen und sich bei Bedarf auch mal vertreten lassen können sind mittlerweile seit bald 20 Jahren Teil unserer Arbeitswelt. Die aktuellen Beschäftigungszahlen des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger bestätigen jedoch ein weiteres Mal den Trend, dass dieses Model seinen Zenit überschritten hat.

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