Archiv des Autors: Miriam Rehm

Miriam Rehm

Über Miriam Rehm

Referentin für Makroökonomie und Verteilung in der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der AK Wien; Lektorin an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Mindestlohn = zufriedenere Beschäftigte

Toralf Pusch und Miriam Rehm, 26. Juni 2017

Der deutsche Mindestlohn – eingeführt aufgrund der niedrigen und sinkenden Abdeckung durch Kollektivverträge – hat die Arbeitsbedingungen und die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten im Niedriglohnsektor positiv beeinflusst. Nach seiner Einführung stiegen die Stunden- und Bruttolöhne bei gleichzeitig etwas verringerter Arbeitszeit. Beschäftigte, die vom Mindestlohn erfasst sind, sind zwar oft mit gestiegenen Ansprüchen an ihre Arbeit konfrontiert, berichten aber auch von einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, höherer Wertschätzung durch Vorgesetzte und einem besseren Betriebsklima. Insgesamt hat die Anhebung der Niedrigstlöhne wohl dazu geführt, dass Unternehmen verstärkt auf Arbeitsverdichtung einerseits und auf eine motivierende Personalführung andererseits setzen. Weiterlesen

Mindestlohn: höchstens mikroskopische Beschäftigungseffekte

Miriam Rehm, Simon Theurl, 4. April 2017

Kaum ein Thema ist so geeignet, um manche ExpertInnen in Weltuntergangsstimmung zu bringen, wie der Mindestlohn. Gerade bei diesem Thema wird wissenschaftliche Objektivität, differenzierte Debatte und sogar empirisches Datenmaterial fallen gelassen, nur um zu bestätigen, dass die reale Welt nach der banalsten Textbuch-Ökonomie funktioniert. Würde ein Mindestlohn eingeführt, seien enorme Arbeitsplatzverluste zu erwarten. Dabei zeigt ein Blick nach Deutschland, dass die Aufgeregtheit eine künstliche ist: Entgegen überzogener Prognosen zeigten sich praktisch keine Beschäftigungseffekte. Dagegen lassen sich positive Verteilungseffekte speziell im Niedriglohnsektor und zwischen den Geschlechtern beobachten. Weiterlesen

Ungleichheit und Rechtspopulismus in den USA und Europa: The elephant in the room

Oliver Gruber, Miriam Rehm, 20. Februar 2017

Ein Elefant steht unausgesprochen im Raum des aktuellen politischen Diskurses: Bei Trump und den Rechts-PopulistInnen in Westeuropa stehen deren Rhetorik gegen „die Eliten“ und für „unsere Leute“ im Widerspruch zu ihren wirtschaftspolitischen Handlungen. Wegen gefühlter wie realer Ungleichheit und Abstiegsgefahr versammeln sich immer breitere Teile der Mittelschicht und der Einkommensschwächeren in ihrem Lager. Dabei untergräbt die politische Praxis von Trump und des westeuropäischen Rechts-Populismus jedoch gezielt die ökonomische und soziale Sicherheit just dieser Bevölkerungsgruppen. Schritte wie die Einschränkung der Mindestsicherung, eine Pensions- und Lohnkürzungspolitik bis hin zur Schwächung des Arbeitnehmerschutzes sowie Angriffen auf die Gewerkschaften verschärfen die Ungleichheit, die Branko Milanovic in seinem neuen Buch eindrucksvoll dokumentiert. Statt Attacken auf das konstruierte „Andere“ braucht es mehr Solidarität innerhalb der ArbeiterInnenschaft. Weiterlesen

Deutschlands Ungleichheit

Miriam Rehm, 30. September 2014

MiriamREHM_kleinIn Deutschland blieb die Ungleichheit der Einkommen ab Mitte der 2000er stabil, nachdem sie davor fast zweieinhalb Jahrzehnte gestiegen war. Diese Trendwende kann auf zwei Arten erklärt werden: Entweder als Effekt des Beschäftigungsanstiegs nach 2005, oder durch den Einbruch der Kapitaleinkommen. Die Daten zeigen, dass in Deutschland in der zweiten Hälfte der 2000er Vermögenseinkommen einen immer geringeren Beitrag zur Einkommensungleichheit leisteten, und somit zur Dämpfung des Anstiegs der Gesamtungleichheit führten. Der Beitrag der Arbeitseinkommen zur Ungleichheit war dagegen weiterhin steigend. Ein neuerlicher Anstieg der Ungleichheit ist zu erwarten, wenn sich die Vermögenspreise erholen. Weiterlesen

Verzweiflung der Vermögenssteuer-Gegner

Miriam Rehm, 15. Juli 2014

MiriamREHM_kleinDas IHS publizierte einen Policy Brief, der in der Kurzzusammenfassung vorgibt anhand eines Referendums zu zeigen, „dass die gesellschaftliche Akzeptanz einer hohen einmaligen Vermögensabgabe in einem demokratischen Land weitgehend nicht gegeben ist“. Tatsächlich fand die Abstimmung vor beinahe 100 Jahren in der Schweiz statt. Auf solche Irreführungen muss zurückgegriffen werden, weil die Menschen heute mehrheitlich für eine Vermögenssteuer sind. Weiterlesen

Piketty-Vermögenssteuer in Österreich?

Miriam Rehm, 8. Juli 2014

MiriamREHM_kleinThomas Piketty präsentierte sein Buch „Capital in the 21st Century“ in der Arbeiterkammer. Zentrale Aussage: Die Ungleichheit steigt, daher sind Vermögenssteuern nicht nur eine Frage des ökonomischen Hausverstandes, sondern sichern unser demokratisches System. Der neue internationale Trend gehe auch in diese Richtung; das könne den Weg zurück zu einer ungleichen Verteilung wie vor dem Ersten Weltkrieg blockieren. Weiterlesen

Attacke auf Piketty läuft ins Leere: Die Konzentration des Vermögens nimmt zu

Miriam Rehm, 2. Juni 2014

MiriamREHM_kleinDie Konzentration des Vermögens steigt in der Nachkriegszeit zunehmend an, wie Thomas Piketty in seinem Buch Kapital im 21. Jahrhundert zeigt, das er am 4. Juli in Wien präsentiert. Die Financial Times versuchte Pikettys Zahlen in Zweifel zu ziehen; tatsächlich macht sie aber selbst gravierende Fehler in ihren Berechnungen. Pikettys Forderung ist aufrecht: Vermögenssteuern sind der richtige Weg. Weiterlesen

Die USA lernt, Europa leidet: Haben die USA die besseren ÖkonomInnen?

Miriam Rehm, 10. Jänner 2014

MiriamREHM_kleinIn den USA herrscht Casino-Crash-Kapitalismus, in Europa dagegen Stabilität und Wohlfahrtsstaat – stimmt das noch? Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 hat sich die Rolle der beiden Regionen gewandelt: Die USA verabschiedeten Konjunkturprogramme und unterstützen über ihre Notenbank Banken und Wirtschaft. Die amerikanische Wirtschaft wächst seit 2008 langsam aus der Krise, und die Arbeitslosigkeit fällt – langsam, aber doch. Sie ist von ihrem Höhepunkt im Jahr 2010 mit fast zehn Prozent der Erwerbspersonen auf etwa sieben Prozent zurückgegangen. In Europa hingegen führte eine völlig verkehrte Reaktion auf die Krise, zuerst der Europäischen Zentralbank und dann der Regierungen (Stichworte: Zinserhöhungen und Austerität), zu Massenarbeitslosigkeit, Armut und einer sozialen Notsituation. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone ist von sieben Prozent der Erwerbspersonen vor der Krise auf zehn Prozent im Jahr 2010 und dann weiter auf zwölf Prozent im Jahr 2013 gestiegen. Weiterlesen

Wir sind nicht alle Kapitalisten

Miriam Rehm & Sepp Zuckerstätter, 11.November 2013

miriamkArbeitnehmerInnen verdienen ihr Einkommen vor allem aus Arbeit. Allen Finanz-Hochglanzbroschüren für die private Pensionsvorsorge, dem konservativen Trommeln einer postmodernen Gesellschaft, in der es keine Klassen mehr gibt, und Studien über Managereinkommen  zum Trotz, hat sich diese Lebensrealität nicht geändert. Der Klassenbegriff ist in der modernen österreichischen Gesellschaft keineswegs bedeutungslos geworden. Die Daten zeigen, dass Klassengegensätze für den Großteil der Bevölkerung die Realität sind: ArbeitnehmerInnen haben vor allem Arbeitseinkommen, während Gewinn- und Zinseinkommen bei UnternehmerInnen konzentriert sind. Weiterlesen

Zahlt die Mittelschicht Vermögenssteuern auf Unternehmensbeteiligungen?

 Miriam Rehm, 23. August 2013

miriamkImmer wieder taucht in den Medien die Befürchtung auf, dass eine Vermögenssteuer die Mittelschicht stark treffen würde. Demgegenüber stehen die nun auch für Österreich vorhandenen Daten, die zeigen, dass die Vermögen extrem konzentriert sind. Wie sind diese zwei Dinge in Einklang zu bringen? Dazu muss zunächst geklärt werden, wer mit „Mittelstand“ gemeint ist, und wo die Mittelschicht in der Vermögensverteilung einzuordnen ist. Dann ist zu untersuchen, wie das Vermögen aus Unternehmensbeteiligungen verteilt ist. Weiterlesen