Arbeitsmarkt im Fokus – Auskommen mit dem Einkommen während der Arbeitslosigkeit?

Ilse Leidl-Krapfenbauer, 27. August 2014

Ilse Leidl-KrapfenbauerWas tut sich auf dem Arbeitsmarkt? Wie entwickeln sich Beschäftigung und Arbeitslosigkeit? Die Arbeitsmarktanalyse „Arbeitsmarkt im Fokus“  der Arbeiterkammer Wien analysiert und kommentiert die wesentlichen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt im ersten Halbjahr 2014. Der Fokus der Analyse liegt in dieser Ausgabe auf dem Thema der Existenzsicherung während der Arbeitslosigkeit und zeigt, dass mehr Menschen länger arbeitslos sind und dass diese auch sehr oft mit zunehmenden finanziellen Problemen zu kämpfen haben.

Beschäftigung steigt, aber weiterhin über Teilzeit

Die unselbständige Beschäftigung steigt wieder etwas mehr an als noch im letzten Halbjahr. Die Steigerung im 1. Halbjahr 2014 gegenüber 2013 betrug +0,7% auf österreichweit 3,47 Mio. unselbständige Beschäftigungsverhältnisse. Auffallend ist, dass die atypischen Beschäftigungsformen auf dem Vormarsch sind (+1,8%) und stärker zunehmen als die Standardbeschäftigung. Der Anstieg ist hier vor allem auf die Zunahme der geringfügigen Beschäftigung zurückzuführen. Speziell bei den Männern ist diese stark angestiegen (+4,5%).

Ein Blick auf die Teilzeitquoten bei der Beschäftigung macht deutlich, dass es erstens mehr Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse gibt (das Wachstum bei der Beschäftigung ist auf den Anstieg der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen) und zweitens Teilzeit überwiegend weiblich ist. Die Teilzeitquote der Frauen liegt bei 47,2% – also beinahe jede zweite Frau ist teilzeitbeschäftigt. Bei den Männern liegt die Teilzeitquote deutlich darunter (bei 9,4%).

Die Langzeitbeschäftigungslosigkeit steigt stark an …

Aufgrund der Ausweitung des Arbeitskräftepotentials bei gleichzeitig verhaltener wirtschaftlicher Entwicklung steigt die Arbeitslosigkeit weiter an und lag im 1. Halbjahr 2014 bei durchschnittlich 401.300 Personen (inkl. Schulungs-TeilnehmerInnen). Die Arbeitslosenquote lag bei 8,5%.

Insbesondere die Langzeitbeschäftigungslosigkeit (d.h. bei Arbeitslosigkeit von über einem Jahr) nimmt relativ stark zu, so ist diese insgesamt um +42% im Vergleich zum 1. Halbjahr des Vorjahres angestiegen. Folgende Abbildung veranschaulicht die Entwicklung des durchschnittlichen Bestandes an langzeitbeschäftigungslosen Personen nach Altersgruppen. Die Altersgruppe ab 45 Jahren ist nicht nur in absoluten Zahlen die größte Gruppe (ca. 37.700 Personen), sondern verzeichnet den größten Anstieg bei der Langzeitbeschäftigungslosigkeit: +57% im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres.

Langzeitbeschäfigungslosigkeit

Quelle: Arbeitsmarktdatenbank (amb_pst_07-lfd), eigene Darstellung

Die Gruppe der 55 bis 59-Jährigen hat es besonders schwer: unter anderem sind in dieser Gruppe auch viele gut qualifizierte Personen darunter, die nur aufgrund des Alters ihre Beschäftigung verloren haben. Eine neue Chance bekommt kaum eine/r von ihnen. Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Personen in dieser Altersgruppe ist um +82% (!) auf knapp 11.000 Personen angestiegen.

… damit auch die Zahl der Notstandshilfe-BezieherInnen

Die durchschnittlich längere Dauer der Arbeitslosigkeit spiegelt sich auch im deutlichen Anstieg der Zahl der Notstandshilfe-BezieherInnen wider. Während die Zahl der Arbeitslosengeld-BezieherInnen um +2,6% gestiegen ist, waren +18,8% mehr Menschen im Notstandshilfe-Bezug.

Für diese Menschen bedeutet das, dass sie mit relativ wenig Einkommen auskommen müssen. Während eines Notstandshilfe-Bezuges hatten im Jahr 2013 Männer durchschnittlich 741 € und Frauen rund 624 € pro Monat zur Verfügung, das liegt deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle von 1.090 € pro Person (lt. EU-SILC 2012).

Dazu kommt, dass rund 16.200 Personen aufgrund der PartnerInnen-Einkommensanrechnung  gar keine Leistung mehr erhalten. Die Anrechnung des PartnerInnen-Einkommens bei der Notstandshilfe trifft vor allem Frauen: im Jahr 2013 waren 81% der Personen, die keine Leistung aufgrund „mangelnder Notlage“ erhalten haben, Frauen. Sobald das Partnereinkommen abzüglich eines Freibetrags höher als die Notstandshilfe ist, wird diese nicht ausbezahlt. Oft reicht schon ein PartnerInnen-Einkommen ab ca. 1.200 € dass die Notstandshilfe ersatzlos gestrichen wird und das trotz oft jahrelanger Beitragszahlungen in die Arbeitslosenversicherung.

Arbeitslosigkeit bedeutet oft finanzielle Probleme zu haben, die mit der Dauer der Arbeitslosigkeit zunehmen

Wie bereits schon von Hacker, Schönherr und Michenthaler im Blogartikel „Individuelle Strategien der Existenzsicherung in der Arbeitslosigkeit“ schon detailliert aufbereitet wurde, haben rund drei Viertel der Betroffenen ein finanzielles Problem. Zudem ist die Arbeitslosigkeit zumeist unfreiwillig, nur in 10% der Fälle ging der Arbeitslosigkeit eine Arbeitnehmerkündigung voraus.

Mit der Dauer der Arbeitslosigkeit wachsen natürlich auch die finanziellen Probleme der Menschen. Oft reichen in weiterer Folge die Mittel zur Abdeckung der Lebenskosten nicht mehr aus, 12% der Befragten gaben an, häufig bzw. manchmal bei der Bezahlung der Miete in Verzug zu geraten. Besonders davon betroffen sind hier AlleinerzieherInnen.

Titelblatt_AMimFOKUS_1Halbjahr2014

Mehr Zahlen, Daten, Fakten und die entsprechenden Forderungen können Sie im neuen Arbeitsmarkt im Fokus nachlesen.