Gewinnauszahlungen 2014 achtmal so stark gestiegen wie Personalaufwand

Reinhard Brachinger, 15. Jänner 2016

Reinhard_NEUDie Arbeiterkammer Oberösterreich erhebt mit dem Wertschöpfungsbarometer seit mehr als zehn Jahren, wie sich die Produktivität der Beschäftigten in den österreichischen mittleren und großen Kapitalgesellschaften im Vergleich zum Personalaufwand entwickelt und wofür die daraus erwirtschafteten Überschüsse verwendet werden. Basis für diese Berechnungen sind die offengelegten Jahresabschlüsse mittlerer und großer Unternehmen aller Branchen (aber ohne Banken, Versicherungen, Holdings und Non-Profit-Organisationen). Es standen diesmal Jahresabschlüsse von 934 Mittel- und Großunternehmen mit 400.062 Beschäftigen, das sind mehr als ein Zehntel der unselbständig Beschäftigten, zur Verfügung.

Produktivität steigt wieder an

Die Wertschöpfung je Beschäftigtem (Pro-Kopf-Produktivität) konnte 2014  nominell um vier Prozent auf durchschnittlich 96.446 Euro gesteigert werden. In den letzten zehn Jahren ist dieser Wert insgesamt um 25,4 Prozent gestiegen, was in etwa dem nominellen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts je Erwerbstätigem im selben Zeitraum (27 Prozent) entspricht.

Der durchschnittliche Personalaufwand pro Beschäftigter/pro Beschäftigtem hat sich in den untersuchten Betrieben im letzten Jahr um 4,6 Prozent erhöht. Im Zehn-Jahres-Vergleich stieg dieser Wert um 25,1 Prozent und damit ähnlich der Produktivitätsentwicklung. Betrachtet man die Personalaufwendungen ohne Zuführungen zu langfristigen Personalrückstellungen für Abfertigungen und Altersvorsorge, so zeigen sich Erhöhungen um 3,5 Prozent bzw. 23,6 Prozent .

Wertschöpfung übersteigt Personalaufwand um 33.165 Euro pro Kopf

Der AK-Wertschöpfungsbarometer ermittelt den Überschuss der durchschnittlichen Pro-Kopf-Wertschöpfung (Pro-Kopf-Produktivität) über den durchschnittlichen Pro-Kopf- Personalaufwand (laut Gewinn- und Verlustrechnung). Nach einer deutlichen Reduktion im Vorjahr hat sich dieser Überschuss 2014 wieder leicht um 2,8 Prozent erhöht.

In der Zehn-Jahres-Betrachtung ist er – zu Gunsten der Unternehmen – um 25,9 Prozent angestiegen. Die Inflation betrug im gleichen Zeitraum nur 22,8 Prozent.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung seit 2004 (Werte in Euro):

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Die durchschnittliche Pro-Kopf-Wertschöpfung lag 2014 also um 33.165 Euro oder um 52,4 Prozent über dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Personalaufwand. Im Geschäftsjahr 2004 waren hier noch Werte von 26.338 Euro bzw. 52,1 Prozent über dem Personalaufwand zu finden.

Im nächsten Schritt soll der Frage nachgegangen werden, wofür die erwirtschafteten Überschüsse verwendet wurden. Besonders interessant erscheint hier in welcher Höhe – vor allem in Sachanlagen – investiert bzw. wieviel Kapital den Unternehmen durch Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen entzogen wurde.

Dividenden wuchsen in zehn Jahren fast dreimal so schnell wie Personalaufwand

Nicht wirklich überraschend, aber trotzdem alarmierend sind die hohen Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen. Die durchschnittliche Gewinnauszahlung pro Beschäftigtem lag im Vorjahr bei 14.551 Euro. Sie ist damit gegenüber 2013 um 34,8 Prozent gestiegen und hat das Niveau von 2011 wieder überschritten.

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Zum Vergleich: die Pro-Kopf-Personalaufwendungen sind nur um 4,6 Prozent höher. Die durchschnittlichen Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen sind zuletzt rund achtmal so stark gestiegen wie die durchschnittlichen Personalaufwendungen. Von 2004 bis 2014 erhöhten sich die Gewinnauszahlungen um 74,1 Prozent und damit rund dreimal so stark wie der Personalaufwand (+25,1 Prozent).

Ausschüttung an die Eigentümer/-innen entsprechen rund zehn Prozent des Eigenkapitals

Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man die Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen in Relation zum Eigenkapital (vor Gewinnauszahlung) der untersuchten Unternehmen setzt. 2014 wurden von den untersuchten Unternehmen Ausschüttungen in Höhe von rund 9,9 Prozent des Eigenkapitals getätigt. Im Vergleich zu den niedrigen Zinsen auf Bankeinlagen ein extrem hoher Wert. In einem Viertel der untersuchten Unternehmen haben sich 2014 seine Eigentümer/-innen sogar mit mehr als 18 Prozent „bedient“.

Geringere Investitionsbereitschaft – aber wieder höherer Anteil der Investitionen in Sachanlagen

Gerade in einer konjunkturell eher flauen Zeit wäre es besonders wichtig, dass ein großer Teil der erzielten Gewinne in den Fortbestand eines Unternehmens und seiner Arbeitsplätze investiert wird. Mit zukunftsfähigen Investitionen in beschäftigungsfördernde Sachanlagen kann ein Unternehmen abgesichert und auch der Unternehmenswert nachhaltig gesteigert werden.

Die durchschnittliche Investitionsneigung (das prozentuelle Verhältnis der Sachinvestitionen zum Wertverlust der Sachanlagen) der untersuchten Unternehmen hat sich 2014 – relativ deutlich – um zehn Prozentpunkte auf 123 Prozent vermindert – ein eindeutiges Indiz dafür, dass insgesamt weniger in die Sachanlagen investiert wurde.

Der Anteil der Sachinvestitionen an den Gesamtinvestitionen ist aber von 52,2 Prozent der Gesamtinvestitionen auf 61,5 Prozent gestiegen, jener der Finanzinvestitionen entsprechend zurückgegangen. Der auf 100 Prozent fehlende Anteil in der folgenden Grafik sind Investitionen in immaterielles Vermögen, wie etwa in Software.

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Fazit

Die hohe Produktivität ihrer Mitarbeiter/-innen hat Österreichs Mittel- und Großbetrieben auch 2014 eine hohe Rentabilität des Eigenkapitals und den Eigentümer/-innen hohe Gewinnauszahlungen ermöglicht. Gleichzeitig ist aber ein Rückgang der für die nachhaltige Entwicklung der Unternehmen und Arbeitsplätze so wichtigen Sachinvestitionen festzustellen.

Der Beitrag ist eine gekürzte Fassung der Pressekonferenz-Unterlage vom 15. 12. 2015 https://media.arbeiterkammer.at/ooe/presseunterlagen/2015/PKU_2015-12-15_Wertschoepfungsbarometer2014.pdf